hinterlassene Schriften von H. H. Hervinus.
Unter diesem Titel werden uns zwei nachgelassene Arbeiten von Gervi- nus geboten. I. „Denkschrift zum Frieden. An das preußische KöniMaus", verlangt die Wiederherstellung der 18W Preußen einverleibten Staaten. II. „Selbstkritik", enthält in Form eines offenen Briefes, den ein angeblicher Zögling an Gervinus richtet, eine bittere persönliche Polemik gegen Karl Braun.
Die Herausgeberin, Frau Victoria Gervinus, erklärt im Vorwort diese Veröffentlichung für eine Handlung der Pietät, die sie dem Andenken ihres verstorbenen Gatten schuldig gewesen. Wir enthalten uns über dieses Urtheil jedes Urtheils.
Was aber öffentlich dargeboten wird, davon hat eine Nation die Pflicht und das Recht, zur Belehrung so viel Nutzen zu ziehen, als aus der Gabe gezogen werden kann. Hier handelt es sich um eine besonders wichtige Art der Belehrung, um die Selbsterkenntniß nämlich. In Gervinus mag "die deutsche Nation einen Theil der Eigenschaften vereinigt finden, die ihr als ein Erzeug- niß ihrer Geschichte bis zur glorreichen Wendung ihres Geschickes einhafteten. Es ist' von Wichtigkeit, diese Charakterzüge gesammelt, verdichtet, mit dem Muth ihrer Forderungen ausgestattet, vor Augen zu bekommen. In diesem Sinne kann der Nachlaß von Gervinus der deutschen Gegenwart von Nutzen sein. In diesem Sinne wollen wir ihn besprechen.
Es ist ein Todter, der seine Todten begräbt, ein Verzweifelnder, der die Ideale ins Grab legt, von denen er sein Selbstbewußtsein genährt. Er thut es nicht mit der Trauer, sondern mit dem Uebermuth der Verzweiflung, die in einer persönlichen Niederlage den Weltuntergang, oder hier den Untergang des deutschen Volkes erblickt, das ja unsere Welt ist.
Das erhabene Wort „lasset die Todten ihre Todten begraben" darf uns hier nicht leiten, weil dieser Tod, den wir von uns geworfen, uns durch schreckliche Jahrhunderte im innersten Mark saß, weil wir ihn verstehen müssen, um uns für immer gegen ihn zu schützen.
Als die deutsche Nation in die große Epoche der Erfüllung tausendjähriger Sehnsucht eintrat, als der Wunderhauch weniger Jahre ein deutsches Volk im politischen Sinne schuf, an dessen Erscheinung auf dem Schauplatz GrcnM«n I. 1872. ' 2V