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„(^ompts renclu anÄ^tic^uk!" der Sitzungen vor, wie es das zweite Kaiserreich neben dem stenographischen Bericht in extenso geschaffen, und den es für alle Blätter, welche den letzteren nicht brachten, verbindlich gemacht hatte, um so den Entstellungen der feindlich gesinnten legitimistischen, orlecinistischen und republikanischen Presse vorzubeugen. Aber der Abgeordnete für Mainz wußte vielleicht selbst nicht, was die technische Herstellung dieses analytischen Berichtes anbetrifft, den er fälschlich für einen Auszug aus der offiziellen Stenographie hielt, daß derselbe auf Kosten und unter Verantwortlichkeit des gesetzgebenden Körpers von ganz besonders gut honorirten und vorzüglich begabten Schriftstellern von Ruf, wie A, Daudet, Paul Dhormoys. Claveau u. A. hergestellt wurde und daß er. bei aller Gedrängtheit, nicht selten die Physiognomie der einzelnen Sitzungen treuer und lebensvoller wiedergab, als der ausführliche stenographische Bericht, dessen Text nachträglich den Rednern zur Aufbesserung ihrer Phrasen und Gedanken (Thiers arbeitete am Putze seiner Reden oft 11—12 «stunden lang) fast bedingungslos überlassen wurde. Auf diese Weise erhielt man ein unparteiisches Bild der Kammer-Verhandlungen und kein Abgeordneter war genöthigt, der bessern Wiedergabe seiner Expecto- rationen wegen dem oder jenem Scribifar den Hof zu machen, wie es anderswo zuweilen vorkommen soll. Wie man sich denken kann, verfügt auch die französische Presse nicht über eine Raumesfülle, die ihr den Abdruck solcher Verhandlungen gerade besonders erleichtert. Aber auch hier wußten die praktischen Franzosen einen Ausweg, von denen wir, ungeachtet unserer Siege, in solchen Dingen uns nicht schämen dürfen, etwas zu lernen. Es finden sich nämlich mehrfach Unternehmer in Paris, welche diesen analytischen Bericht gleich in vielen Hunderttausenden von Exemplaren druckten und ihn den Verlegern der Departements-Journale um einen sehr billigen Preis <S Franken etwa pro Tausend für die ganze Session) verkauften; so daß diese Zeitungen, ohne ihren Raum irgend zu beeinträchtigen, diese trefflichen Lomptereiläu« ihren Blättern einfach beilegen und ihren Lesern einen ungeschmälerten Ueberblick über die Leistungen des gesetzgebenden Körpers verschaffen konnten.
In Deutschland hätte man natürlich nicht nöthig gehabt, einen derartigen Kammerbericht obligatorisch zu machen; die Privat-Jndustrie konnte un- beeinträchtigt daneben fortbestehen. Wenn aber einmal das Reichstags-Institut seine "Überlegenheit, bei gleicher Unparteilichkeit, endgültig an den Tag gelegt hatte, so war kein Zweifel, daß die ungeheure Mehrzahl der kleineren Organe von diesen Vortheilen profitirt hätte, während, wie jetzt die Sachen stehen, in Städten unter 20,000 Einwohnern für die Mehrheit der Wähler des allgemeinen Stimmrechts die Vorgänge in Nr. 75 der Leipzigerstraße zu Berlin so gut wie vollständig eine tci-rs, ineognitA bleiben. Von alledem aber ist im Reichstag kein Wort gesagt worden und Bamberger wurde angestarrt, wie ein von bonapartistischen Ideen irregewordener Wolf im national-liberalen Schafspelz, weil er die Hand auf die wunden Stellen gelegt, ohne von der Zusammensetzung des heilenden Balsams etwas mehr als den Namen zu verrathen. o. — >V.
Dom deutschen Aeichstag.
Berlin, den 2l. Mai 1871. Fast jede Woche, so scheint es, soll in dieser Zeit eine überraschende und folgenreiche That des Reichskanzlers aufweisen. Vorgestern kündigte er dem