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Sehr billig ist nun das vorliegende Handlexikon auch nicht (es wird 3 Thl«, 18 Gr. kosten), bietet dafür aber alles Mögliche. Indessen erregen die bisher erschienenen 3 Lieferungen mancherlei Bedenken. So ist es befremdlich, daß gleich bei der ersten Lieferung auf Nachträge verwiesen wird. Warum nicht mit dem Druck so lange warten, bis das Material in ein Ganzes verarbeitet war? Wie denn überhaupt das Buch allzusehr den Eindruck einer etwas übereilten und ungleichmäßigen Arbeit macht. Artikel, wie Dilettant, S. 266, verglichen mit Kontrapunkt, S. 217, lassen angemessene Raumökonomie vermissen. Die Notizen über griechische Musiker und Dichter sind keineswegs durchgängig aus den nöthigen Quellen geschöpft, wie der Prospect verkündigt, und wenn man aufs Gerathewohl einzelne Artikel prüft, findet man Seltsames mehr als billig. Was soll es heißen, wenn man z. B. lieft: „Bergkreyen S. 121 nannte man zu Luther's Zeiten eine Melodie zu einer in Reimverse gebrachte» Geschichte." Oder noch hübscher S. 96: „Barbaras, Hermolaus, ein am 21. Mai 1S63 zu Venedig geborener Gelehrter, von welchem weiter nichts bekannt geworden ist." So wird bei Heinrich Frauenlob S. 333 Ettmüller's Ausgabe mit Druckort und Jahreszahl ausführlichst citirt. Dagegen fehlen diese Angaben, da wo sie nothwendig wären, bei Chrhsander's Händel, Jcchn's Mozart, und bei Dommer's werthvollen Werken.
Was dagegen an passenden und unpassenden Stellen citirt und immer wieder citirt wird, sind Hrn. vr. Oscar Paul's Schriften; die „absolute Harmonik", „die Geschichte des Claviers", und der Name Oscar Paul stehen dicht wie die Telegraphen an der Eisenbahn. Auch einzelne andere Persönlichkeiten werden mit einer Gunst behandelt, die ebensosehr für das Freundesgemüth des Verfassers, als gegen seinen Ruf sprechen ein Lexikon zu machen. — Wenn man z. B. für hervorragende Musiker, wie Hinrichs in Halle keinen Raum hat, so ist es ein schwer qualisi- eirbares Verfahren, irgend einem unbekannten Dresdner Musiker und Musikreferenten einen Abschnitt von 9 Zeilen zu widmen und dabei zuletzt „mitzutheilen", daß seine geistvolle Gattin eine Tochter des Pr. Präsidenten von Kirchmann ist." In Summa, das Buch ist eine etwas flüchtige Arbeit, die sich nicht sonderlich von ähnlichen Spekulationen unterscheidet. Man wird es daher, wenn man es überhaupt benutzt, nur mit Vorsicht verwenden können, Druck und Ausstattung sind nicht schlecht. —
Annexion«--, Kriegs- mW politische Literatur.
1. Gustav Lenz: Die alten Reichslande Elsaß und Lothringen und ihre Stellung zum neuen Reiche. Greifswald 1870. L. Bamberg. — 2. Adolf Wohlwill: Geschichte des Elsasses in kurzer Uebersicht. Hamburg 1870. Otto Meißner. — 3. A. Petermann: Das Generalgouvernement Elsaß und die deutsch-französische Sprachgrenze. Gotha 1870. Justus Perthes. — 4. A. Borbstädt: Der deutsch-französische Krieg 1870 nach dem innern Zusammenhange dargestellt. Erste Lieferung. Berlin 1871. E. S. Mittler u. S. — 5. Wolfgang Menzel: Geschichte des französischen Kriegs von 1870. Erste Lieferung. Stuttgart 1870. Adolph Krabbe. — 6. Wolfg. Menzel: Was hat Preußen für Deutschland geleistet? Stuttgart 1870. A. Kröner. — 7. Hermann Baumgarten; Wie wir wieder ein Volk geworden sind. Zweite vermehrte Auflage. Leipzig 1870. S. Hirzel. — 8. Theodor Oelsner: Der Siegeszng der deutschen Idee. Blicke von dem Aeußern auf das Innere. Berlin 1870. A. Duncker (Gebrüder Partey.
Die kleine Annexionslitteratur, der diese Blätter regelmäßig ihre Aufmerksam-