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Zur Geschichte der lothringischen Glasindustrie und der „Crisinllerie de Äaccarat".
Seit dem siegreichen Gefecht der badischen Division bei Raon l'Etape am 6. Oetober, welches bekanntlich eine der wichtigsten Etappenstraßen der deutschen Armee vor feindlicher Störung wirksam bewahrte und uns vor großen materiellen, aber auch sonstigen Verlusten glücklich behütete, ist mehrfach in der Tagespresse des an der Bahnlinie Luneville-St. Die" gelegenen Fabrikortes Baecarat Erwähnung geschehen. Ich erinnere mich auch irgendwo in dem Berichte eines Sanitätsmannes eine flüchtige Schilderung der größten, vielleicht einzigen, Sehenswürdigkeit von Baecarat, nämlich seiner Krystallglas-Fabrik, gelesen zu haben. Glastechniker, Glashändler, Leute, welche einige Kenntniß von den Hauptsitzen der wichtigsten Zweige der europäischen Industrie haben, wußten schon lange von Baecarat an der Murthe; als sie Raon l'Etape, gleich nachdem das offizielle Telegramm den strategisch bedeutsamen Sieg der deutschen Waffen verkündet hatte, auf der Karte suchten, wird bei ihnen alsbald die Frage aufgetaucht sein, ob denn wohl auch Baecarat, diese friedliche Hauptresidenz der französischen Krystallglas-Fabrikation, von den kriegerischen Stürmen berührt worden sei. Es wird in ihrer Seele ein Bild entstanden sein von der furchtbaren Zerstörung, welche eine in das Magazin von Baecarat einschlagende Granate unter den Tausenden von dort aufgespeicherten Lüstres und Vasen hätte anrichten können. Unter den vier Staaten, in denen die Glasindustrie Europas am meisten blüht, Oestreich, Großbritannien, Frankreich, Belgien, nimmt Frankreich den dritten Rang ein; aber in Frankreich ist es Baecarat, welches nahezu die Hälfte aller Krystallglaswaaren liefert. Nur Saint-Louis hat eine annähernd so bedeutende Production auszuweisen; Lyon, Clichy, Pantin, Bercy stehen weit zurück.
Dafür steht aber auch Baecarat auf einem Boden, der eine gewisse Classicität in der Glasbereitung und Glasverarbeitung beanspruchen darf, ist es der Erbe uralter lothringischer Kunstfertigkeit in^ diesem Fache, der heute allein noch übrige, aber an Macht und Ansehen alle Vorgänger weit überwiegende Vertreter eines Gewerbszweiges, welcher in der Industrie-Geschichte des lothringischen Landes seit Jahrhunderten eine wichtige Rolle spielt.
Henri Lepage theilt uns in seinen „kLeKerelies sur I'incwstriö lorraive" Einiges über das Alter, die eigenthümlichen Privilegien und die frühere Ausdehnung der lothringischen Glasindustrie,'mit — zu wenig, um nicht jeden der Jndustriegeschichte Beflissenen wißbegierig nach Mehrerem zu machen (besonders verführerisch erscheint es, zu untersuchen, ob nicht bei dem wunderbaren Cultur-Paralleltsmus des links- und rechtsrheinischen Landes am Ober-