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Der 28. September 1870.
Ein neuer Feiertag im Kriegskalendcr von 1870! Straßburg ist unser! Welcher Deutsche athmete nicht sroh und dankerfüllt auf bei der ersehnten Kunde, wer fühlte nicht sein Herz erleichtert in dem Gedanken, daß die Uebergabe dem Sturm zuvorgekommen ist, welcher der Stadt furchtbare Verheerung drohte! Wie ein schwerer Druck lastete das Schicksal der unglücklichen Stadt auf unsern Gemüthern. Nur mit gemischten Empfindungen vermochte man der kühnen und sicher fortschreitenden Belagerung, der tapfern Vertheidigung zu folgen: es war doch die alte deutsche Stadt, die sich gegen das deutsche Heer so hartnäckig als hoffnungslos wehrte. Andere Trophäen dieses Krieges haben blutigere Opfer verlangt, bei keiner aber war die Nothwendigkeit auch des geringeren Opfers dem Sieger selbst so grausam fühlbar. Das Blut, welches in den Straßen der Stadt und draußen vor den Befestigungen floß, schien doppelt kostbarer Einsatz; jedes Haus, in das die zündende Bombe schlug, steigerte den Preis. Wer die Schilderungen der Belagerungsscenen las, stimmte oft genug mit Jenen, welche von den Höhen des Nachbarlandes den furchtbaren Feuerschein am Nachthimmel beobachten konnten, in den Ruf ein: wäre das doch zu Ende! Mit dem Bewußtsein eine traurige Pflicht zu erfüllen, betrieben unsere wackeren Artilleristen ihr Werk; das Bild der Zerstörung in der eroberten Stadt verkümmerte den Einziehenden den verdienten Triumph.
Nicht die Stimme der Menschlichkeit allein sprach in dem bangen Mitgefühl mit den Leiden Straßburgs, auch nicht das wohlberechtigte Interesse, die „wunderschöne Stadt", welche Deutschland zurückzufordern gewillt war. sich möglichst unversehrt zu erhalten. Mächtiger wirkte dabei eine Empfindung, die man wohl Schamgefühl nennen darf; Schamgefühl nicht über uns, sondern über unsere Väter, über die Zeiten deutscher Ohnmacht, welche uns diese widerspruchsvolle Lage geschaffen haben. Je lebhafter die frevelhafte Herausforderung Frankreichs die Erinnerung an die lange Reihe vorhergegangener Unbilden erweckte und zur allgemeinen Forderung eines endlichen Rechnungsabschlusses steigerte, um so peinlicher mußte gerade jetzt der Eindruck des verheerenden Kampfes wider Das, was unser war und wieder unser werden sollte, den gesunden deutschen Sinn berühren. Kehl von Straßburg aus in Brand geschossen und Straßburg von deutschen Truppen bombardirt! das ist der Rest, wills Gott der letzte, jener traurigen Erbschaft, die uns französische Raublust und deutsche Schwäche hinterlassen hat. Im Augenblick, da der nationale Schwung des gesammten Deutschlands das Größte erreicht und den