Kriegsbericht.
Die Regenten in Frankreich und die Friedensbedingungen*).
Das politische Urtheil und die politische Leidenschaft werden der ungeheuren Mehrzahl der Franzosen durch zwei unablässig wirkende Mächte gerichtet, durch die Journalisten der Pariser Presse und durch die katholischen Priester. Ordens- und Weltgeistliche, zwei Mächte, welche in der Regel feindlich gegen einander arbeiten.
Wer im Heere durch Elsaß, Lothringen, Bar und die Champagne bis in die Nähe von Paris gezogen ist, der hat Gelegenheit gehabt, eine Anzahl Beobachtungen über diese Regenten Frankreichs zu machen. Die Beobachtungen sind nur aus einem verhältnißmäßig kleinen Theile Frankreichs genommen, aber aus einigen der kräftigsten Landschaften, sie sind nicht so reichlich und gründlich als wünschenswert!) wäre, aber sie hatten den Vorzug, frisch und selbst erlebt in die Seele zu fallen, und sie helfen doch, dem Deutschen einiges Fremdartige verständlich zu machen.
Auffallend ist vor allem der Einfluß der katholischen Geistlichkeit. Auch die Weltgeistlichen wandeln durch besondere Tracht ausgezeichnet, der Klerus fällt an allen größeren Orten durch Zahl und Geschäftigkeit auf, es sind viele schöne große Männer darunter, welche die Locken unter der Tonsur mit coketter Eleganz tragen und aus großen vielsagenden Augen um sich schauen, deren scharfer Blick sehr verschieden ist von dem stumpfen Ausdruck, der einem großen Theil unserer katholischen Geistlichkeit eigen ist. Jene sind gewandte Männer, denen man ansieht, daß sie an Herrschast und Erfolge gewöhnt sind und mit Selbstgefühl Männern und Frauen zu gefallen wissen. Die Einwirkung, welche sie auf die Laien ausüben durch Altar und Kirchenfest, Kanzel und Beichtstuhl, durch die zahlreichen geistlichen Stiftungen, durch Lehranstalten und durch Besuche in den Häusern, ist in den Städten groß, auf dem Lande sind sie die herrschende Autorität. Es wird auch dem
") In dem Kriegsbericht der letzten Nr. 39 ist Seite S05 Zeile 10 v. u. zweimal zu lesen 11 Corps statt 7 Corps, und rechte Flanke statt linke,
- Grenzboten IV. 137». 1