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Das zweite Kaiserreich im Lichte der französischen Geschichtsschreibung : VI. Mexico : von La Soledad bis zu Maximilian's Ankunft in Veracruz.
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zosen war die Einleitung der Tragödie, deren Katastrophe sich fünf Jahre später zu Queretaro vollzog.

Die Habsburgische Candidatur wurde, obgleich Almonte in absichtlicher Jndiscretion in Mexico offen von derselben sprach, auch jetzt noch offiziell als Geheimniß behandelt, sie war erst vor Kurzem, wie wir gesehen haben, von Billault förmlich verleugnet, aber sie war trotz aller Dementis doch be­reits zu einem lauten Geheimniß geworden. Die Zahl der Mitwissenden war so groß, daß an verschiedenen Punkten Gerüchte austauchten, die eine immer bestimmtere Gestalt gewannen. Daß, wie von mancher Seite behauptet wird, die Candidatur des Erzherzogs unmittelbar aus dem Frieden von Villafranca hervorgangen sei, läßt sich nicht beweisen und ist auch in der That sehr unwahrscheinlich. Die ersten sichern Spuren leiten vielmehr auf den Anfang des Jahres 1861, etwa zehn Monate vor Abschluß des Londoner Vertrages. Um diese Zeit begannen der berüchtigte General Mar- quez und der Licentiat Aguilar in Mexico die sociale, politische und mili­tärische Reaction gegen Juarez zu organisiren, während Hidalgo, Gutierrez, Miramon und Almonte in Paris, der Erzbischof von Mexico La Bastida in Rom die Hebel ansetzten, um Frankreich zu einer Intervention behufs der Gründung einer Monarchie in Mexico zu bewegen. Dem Kaiser kam ein weit aussehendes und, wie es schien, dabei nicht grade gefährliches Un­ternehmen in Rücksicht auf die inneren Verhältnisse ganz gelegen; daß dies Unternehmen einen ausgeprägt katholischen Charakter trug, war ihm, wie wir schon früher hervorgehoben haben, der über die Wendung der ita­lienischen Dinge heftig erzürnten Katholiken wegen angenehm, die Kaiserin war entzückt von einer Intrigue, die ihren bigotten Neigungen so sehr ent­sprach, und daß Pius IX. zu jedem Versuch, Juarez zu stürzen, bereitwillig die Hand bot, war erklärlich. Denn Juarez, eifrig bemüht, die neue mexi­kanische Verfassung nach allen Richtungen hin durchzuführen und vor Allem das Land von dem Druck der Priesterpartei zu befreien, hatte Religions­freiheit proclarnirt, die Mönchsklöster aufgehoben und das ungeheure Kirchen­vermögen (die Immobilien hatten einen Werth von ungefähr einer Milliarde Franken) für Nationaleigenthum erklärt. Wie sollte da die Curie nicht mit Freuden einem Unternehmen die Weihe ertheilen, von dem man die Auf­hebung dieser Decrete, die Wiederherstellung der geistlichen Herrschaft und Wiedereinsetzung der Kirche in ihren alten Besitz hoffte. Sehr bald einigten sich die verschiedenen Elemente über die Person des Throncandidaten, und alsbald begannen auch die heimlichen Verhandlungen zwischen Paris und Miramare. Es war nicht leicht, den Widerstand des Prinzen, so sehr das Unternehmen auch seinem romantischen Sinne schmeichelte, zu besiegen, da er doch einsichtsvoll genug war, um sich über die vielen Gefahren und Schwie^