ZW
organ, das zum Glück schon einen schamrothen Umschlag hat. Mit dieser erbärmlichen Gesinnungslosigkeit und Dummheit zu rechten, kann keinem an« ständigen Manne zugemuthet werden; aber sie hätte höchst gefährlich werden können. wenn ihr andere als Winkelblätter zur Verfügung stünden. War doch diese Partei im Wiener Gemeinderathe so stark, daß dessen Erklärung für Neutralität von der angeblich entschieden deutschen Partei nur die zweideutige Phrase annahm, der gegenwärtige Krieg, als ein dynastischer, interessire die Bevölkerung Oestreichs gar nicht. Diese Sorte wußte auch für die Haltung der Presse keine andere Erklärung zu finden, als preußisches Geld. Daß man ihr stets mit derartigen Verdächtigungen naht, hat die Wiener Presse allerdings reichlich verschuldet, aber ihr charaktervolles Benehmen in dieser Krisis erlaubt uns, über manches Vergangene einen Schleier zu ziehen. Uebrigens wird sie auch noch die Befriedigung erleben, daß die Menschen, welche den Blättern jetzt die „Hunderttausende" von preußischen Thalern vorzählen, nachträglich versichern werden, sie seien stets der gleichen Meinung mit ihnen gewesen.
Hamburg im Kriege.
Hamburg, 16. August.
Der Genfer Schriftsteller Victor Cherbuliez veröffentlichte im vergan- genenen Winter in der lisvus Äss äsux Nonäss eine Reihe von Artikeln über die Lage Deutschlands, die trotz einzelner treffender Bemerkungen nicht wenig dazu beigetragen haben mögen, das französische Publikum in den grundfalschen Ideen zu bestärken, die bei dem frivol herbeigeführten Kriege eine so große Rolle gespielt haben. Unter anderem fragt der Autor, wo denn der vielberufene deutsche Patriotismus zu finden sei, ob in Stuttgart oder München, wo man vom Nordbunde nichts wissen wolle, ob in Dresden, das über seinen Verfall trauere, ob in Hannover, wo der Preußenhaß allgemein, oder im kosmopolitischen Hamburg, wo man nur „Naiubourg' et liz inonäe" kenne? Wir wünschten, Hr. Cherbuliez hätte die letzten Wochen hier zugebracht, er hätte nicht besser seine falschen Ideen corrigiren können; denn fürwahr, wie im Süden so sind auch hier die patriotischen Hoffnungen selbst des kühnsten Optimisten weit überflügelt.
Daß es Hamburg nach 1866 nicht leicht ward, sich in manche der Veränderungen zu finden, welche der Norddeutsche Bund mit sich brachte, soll nicht geleugnet werden. Auch heute noch beklagt man sich und nicht mit