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Die Lage in Frankreich.
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Die Lage in Frankreich.

Diese Blätter dürfen das Verdienst in Anspruch nehmen, die Illusionen keinen Augenblick getheilt zu haben, denen der doetrinäre Liberalismus sich über die neue Aera in Frankreich hingab. Gerade während der Flitterwochen des Januar-Ministeriums haben wir wiederholt nachdrücklich darauf hin­gewiesen, wie groß, ja unüberwindlich die Schwierigkeiten seien, welche sich einem konstitutionellen Regiment im heutigen Frankreich entgegenstellten. Wir hoben hervor, daß das Ministerium nicht homogen sei, sondern aus drei ver­schiedenartigen Bestandtheilen zusammengesetzt, den vom früheren Cabinet überkommenen Fachministern des Krieges und der Marine, den Mitgliedern des linken Centrums Daru. Büffet und TalhouiZt. die es mit dem Consti- tutionalismus ernst meinten, und dem zwischen beiden schwankenden Ollivier mit seinen persönlichen Anhängern. Wir betonten, wie ungünstig die beiden großen Factoren, welche bis jetzt jede Revolution seit 1789 überdauert haben. das bureaukratische Verwaltungssystem und die Armee dem Versuche sein mußten, das liberale Kaiserthum an die Stelle des persönlichen Regiments zu setzen. Wir legten endlich vor allem Nachdruck darauf, daß nur politische Naivetät eine wirkliche Bekehrung Napoleons zum parlamentarischen Regiment annehmen könne, zumal die konstitutionellen Veränderungen seine materielle Macht in allen wesentlichen Punkten unangetastet gelassen (vgl. Nr. 4 d. I. P- 125 ff.).

Diese Voraussetzungen haben sich vollkommen bestätigt. Die Differenzen der verschiedenen Fractionen des Cabinets, welche schon früh in der Handels- Politik und der Concilsfrage hervortraten, führten bei dem ersten bedeutenden Anlaß zum Bruche, die Mitglieder des linken Centrums traten aus. Die außerparlamentarische Decentralisations-Commisfion, welche der alte Odilon Barrot mit der schwungvollen Anrede eröffnete, daß es ihre Aufgabe sei, die öffentlichen Sitten umzuwandeln, hat nichts zu Stande gebracht und hat sich vor einigen Wochen in der Stille aufgelöst. Der liberale Minister des Innern Chevandier de Valdrvme belehrte dagegen bei der Abstimmung über das Ple­biscit seine Beamten, daß es ihre Aufgabe sei, eine verzehrende Thätigkeit zu entwickeln. Vor allem aber hat der Kampf um das Plebiscit und sein Ausgang gezeigt, daß der Kaiser auch unter dem neuen Regiment der be­stimmende Factor des ganzen Staatswesens geblieben war, daß er nicht ge­sonnen war, die Rolle eines constitutionellen Souveräns ernsthaft zu accep- tiren, vielmehr die erste Gelegenheit benutzte, sein persönliches Regiment her­zustellen und zu befestigen.

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