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Musikalische Briefe von Moriz Hauptmann. II.
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Musikalische Briefe von Moriz Hauptmann.

II.

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An Professor Wolf in Cassel.

Leipzig, IS. Februar 1850. Es geschehen noch immer bedeutende Wallfahrten nach Dresden zu Meyerbeers Propheten, der dort mit ganz ausnehmender Pracht gegeben werden soll. Ein Fremder, der diese Oper in Paris gesehn, wollte sogar behaupten, sie führen in Dresden noch besser Schlittschuhe wie dort! Hier wird die Oper zur Ostermesse vorbereitet, auch Mt außerordentlichen Vor­anstalten, sodaß der hohe Rath selbst übernommen, die Deeorationen malen zu lassen. Man wird fast gezwungen zuzugeben, daß in dieser Musikart, die so viele Menschen anzieht, etwas Positives und Wahres sein müsse, und ich kann es nicht mitempfinden. mir kommt alles darin so naturlos, so un­erquicklich und verbrannt vor, daß es zu einem musikalischen Eindrucke bei mir dabei gar nicht kommt. Ueberwürztes kommt Einem wohl mehr vor, aber hier scheint mir's immer wie ein Gericht aus bloßem Gewürz ganz allein^ Wenn man süß-italienische Musik Zucker mit einer Honigbrühe genannt hat, so ist die Meyerbeer'sche gepfefferter Ingwer oder Zimmt. Indessen wenn man nach H. Heine's botanischem System, der die Pflanzen eintheilt in solche, die man essen kann, und solche, die man nicht essen kann, die Opern eintheilt in solche, die gegeben werden und solche, die nicht gegeben werden, so müssen ja wohl die Meyerbeer'schen entschieden zu den genießbaren gehören und es liegt eben nur an unserem musikalisch schwachen durch Sebastian Bach, Mozart und Beethoven an zu schwache Kost gewöhnten Magen, wenn uns dieser Kaut Müt nicht behagen will. Wie aber das Eine und das Andere gefallen kann, verstehe ich nicht. Das ist aber auch in dem Vergleich jenes ältern mit dem neuern musikalisch-romantischen denn Romantiker ist Meyerbeer entschieden nicht schwer zu begreifen, denn entweder das Eine ist Musik oder das Andere: d. h. entweder das Organische oder das Unor­ganische, nach meiner Meinung heißt das: das Freie oder das Unfreie. Ich glaube das erstere ist Musik und Kunst; die Romantiker halten aber eben das für frei, was außer dem organischen Zusammenhange d. h. außer ver­nünftiger Nothwendigkeit, mit einem Wort was unvernünftig ist.

M. Hauptmann.

Leipzig, den 27. April 1864. Goethe hat zu seiner Farbenlehre einen polemischen Theil gegeben und das ist immer recht gut und besser, als wenn die andersmeinenden blos ig- Grenzboten II. 1870. 19