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Ein Rothbuch über Armenpflege.
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preußisch-norddeutschen Freizügigkeit muß es auf die Länge von selbst hin­fällig werden. Steckt nun in der Stadt wirklich echter und gesunder Frei­heitssinn, nicht bloß die Virtuosität der liberalen und radiealen Phrase, so wird sie sich nicht auf die abgetretene Bahn zwangsmäßiger Ordnung drängen lassen, sondern ihren ererbten Reichthum und Gemeinsinn benutzen, um eine auf freiwilliger Hingebung auf freiwilligen Beiträgen sowohl als auf frei­willigen Pflegern ruhende Organisation zu schaffen. Nirgends stehen dem sachlich so geringe Schwierigkeiten im Wege.

Uebergang zu freiern Formen, Belebung des in dem Menschen schlum­mernden Sinns für wahre practische Armenpflege anstatt der überlieferten mechanischen Almosenwirthschaft das ist auf diesem Felde der Beruf der Gegenwart. Das Emminghaus'sche Sammelwerk zeigt, man schlage es auf wo man will, daß die Geister zu diesen Zielen unterwegs sind, da kann es denn nicht ausbleiben, daß die Thatsachen ihnen bald folgen.

Deutsche Neichsbürger des vorigen Jahrhunderts.

Die Brüder Senckenberg. Eine biographische Darstellung. Nebst einem Anhang über Goethe's Jugendzeit in Frankfurt a. M. von Ch. V. Kriegk. Frankfurt 1869.

Als Commentar zu einer einzigen Seite im zweiten Buch von Wahr­heit und Dichtung tritt hier ein stattlicher Band von 380 Seiten auf. Manchen, der ihn zuerst in die Hand nimmt, mag der Gedanke beschleicheu, ob damit des Guten nicht doch zu viel gethan sei. Insofern blos die Exegese <Aoerhe's berücksichtigt wird, konnte sich die Sache freilich viel kürzer fassen lassen und sie ist auch in der bisherigen Goethe-Literatur immer nur als ein nebensächliches Beiwerk behandelt, ohne daß das Verständniß der Text­stelle etwas an seiner wünschenswerthen Durchsichtigkeit entbehrt hätte. Keiner der drei Brüder Senckenberg gehört zu den Männern, welche auf die Ent­wickelung des Knaben Goethe directen Einfluß geübt haben, und der Mann und Dichter Goethe ist im späteren Leben nur mit einem davon in vorüber­gehende Berührung getreten. Sie können nur als Staffage seines Frank­furter Jugendbodens gelten und demgemäß hat er sie auch mit gewohnter Meisterschaft als pikante Nebenfiguren behandelt. Dennoch verlohnte es sich der Mühe, ihrem Andenken ein besonderes Buch zu widmen und zwar gerade von dem Standpunkt, den sich sein Verfasser gleichsam durch Naturnoth­wendigkeit gewählt hat. Zwei der Brüder gehören in eminentem Sinne