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Politischer Monatsbericht.
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die dem Faß, mit welchem die Berliner Fortschrittsmänner bisher schöpften, leicht den Boden ausschlagen kann. Waldeck, der jeden Zoll und zu allen Zeiten ein guter Preuße war, soll durch einen Mann ersetzt werden, dessen Leiborgan mit Vorliebe von Welsen und Welfengenossen eitirt wird. Dieses neueste Capitel in der Entwickelungsgeschichte unserer politischen Gattungen und Arten wird hoffentlich im Betracht gezogen werden, wenn es zu der längst nothwendig gewordenen Reorganisation der nationalliberalen Partei kommt.

Die Grenze nach rechts ist bereits mit genügender Deutlichkeit gezogen worden, der Grenze nach links kann es nicht schaden, wenn sie auf's Neue möglichst scharf gezogen und damit allen JrrthWnern über politisches Mein und Dein vorgebeugt wird. Die Erfahrungen der letzten Jahre, namentlich die im preußischen Abgeordnetenhause gemachten, haben mit einer Gründlich­keit, die Nichts zu wünschen übrig läßt, bewiesen, daß es im parlamentari­schen Leben auf die numerische Stärke der Parteien sehr viel weniger ankommt, als auf eine gehörige Disciplin derselben. Wie viel diese Disciplin zu wün­schen übrig läßt, hat sich jedesmal gezeigt, wenn (wie bei Gelegenheit des hanno- veranischen Provinzialfonds) vergeblich der Verzicht auf individuelle Meinungs­verschiedenheiten gefordert wurde, oder wenn den Parteirednern zugemuthet wurde, ihre Beredtsamkeit auf das Maß des Bedürfnisses zu beschränken und an der gehörigen Stelle aufzuhören, wie es bei Gelegenheit der Debatte über das das Cultusministerium (December 1868) der Fall war. Soll die beabsichtigte Reorganisation der liberalen Nationalpartei wirklich zu etwas führen, so muß mit Herstellung einer wirklichen Disciplin unter den Parteigenossen im Parla­mente der Anfang gemacht und damit ein gutes Bespiel gegeben werden. Weder im Parlament, noch in der Presse, noch in Sachen der Wahlagitation hat für die Nationalliberalen bis jetzt eine Organisation bestanden, die auf diesen Namen wirklichen Anspruch machen kann, und das Verdienst derer, welche dieselbe begründen, wird nicht geringer sein als das Maß der ihnen entgegenstehenden Schwierigkeiten.

Literatur.

Des Aristophancs Werke, übersetzt von Joh, Jul. Droyscn. Zweite Auflage. Erster Theil. Leipzig, Veit u. Comp. 1869.

Die berühmte Aristophanesübersetzung von Drovsen, welche von 1835 bis 1838