Beitrag 
Literatur.
Seite
480
Einzelbild herunterladen
 

480

Obgleich diese Briefe keine neuen Aufschlüsse über zweifelhaft gebliebene Partien der Zeit­geschichte oder auch nur der Lebensgeschichte beider Männer enthalten, zwischen denen sie gewechselt worden, werden sie einem großen Theil der deutschen Lesewelt willkommen sein, schon weil sie von dem ungeheuren Universalismus der Ideen und Interessen Humboldt's zeugen, dem die Gebiete, auf denen Bunsen sich ausgezeichnet hat, eigentlich alle gleich fern abzuliegen schienen. Das Hauptgewicht ist auf die zweite Hälfte der Sammlung, die in den Jahren 1848 bis 1856 geschriebenen Briese zu legen, sowohl weil denselben eine vertrautere Bekanntschaft zwischen Brief­steller und Briefempfänger vorausgegangen, als weil dieselben ausführlicher sind und sich wenigstens zum Theil auf politische Gegenstände beziehen. Zwischen Mitthei­lungen privater oder doch nebensächlicher Natur, welche sich auf Empfehlungen, aus­getauschte Bücher und dgl. beziehen, laufen Andeutungen und Berichte Humboldt's über die politische Lage, die Stimmung des Königs und seiner Umgebung und die von den verschiedenen Parteien geübten Einflüsse unter, die entschieden lesenswert!) sind. Besondere Aufmerksamkeit verdienen in dieser Beziehung die dreizehn zum Theil ziemlich ausführlichen Briefe aus den Jahren 1851 und 1852, durch welche Humboldt's Freisinn und seine richtige Beurtheilung der politischen Lage aufs neue bestätigt werde. Namentlich die Schmach von Olmütz ist von dem großen Freunde Friedrich Wilhelms IV. bitter empfunden worden und der Unmuth über dieselbe mischt sich ziemlich deutlich der nicht eben vortheilhaften Schilderung zu, welche von dem Kaiser Franz Joseph (häßlich, mit stieren Augenbrauen über nichtssagenden Augen u. s. w.") und dessen Bruder Maximilian bei Gelegenheit des Besuchs vom December 1852 entworfen wird. Von den Briefen der letzten Jahre sind beson­ders diejenigen merkwürdig, welche Humboldt's tiefe Verstimmung über Preußens Verhalten während des orientalischen Kriegs bekunden ein Punkt, in welchem Humboldt bekanntlich mit Bunsen, dem Anwalt einer Alliance mit England, beson­ders lebhast sympathisirte.

Mit Nr. -MO beginnt diese Zeitschrist ein neues Quartal, welches durch alle Buchhandlungen und Dvstämter zu be­ziehen ist.

Leipzig, im September 1869.

Die Verlagshandlung

Verantwortliche Redacteure: Gustav Freytag u. JnliuS Eckardt. Verlag von F. L. Herbig. Druck von Hüthel Leglcr in Leipzig.