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Die Lage in Galizien. II.
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des bevorstehenden Lemberger Landtags gehen die östliche Hälfte der öst­reichisch-ungarischen Monarchie, nicht weniger als die westliche an. Bieten die Feindschaft der Ruthenen und die Zwiespältigkeit der Polen auch genügende Bürgschaft gegen eine ernste Gefährdung des dualistischen Systems von dieser Seite, so würden der Sieg der polnischen Demokratie und der Austritt der Galizier dem Reichstage, dem Ministerium doch höchst unwillkommen sein. schon wegen ihrer Wirkung auf die Czechen.

Venedig und Trieft.

Eine Parallele zwischen Venedig und Trieft als Seehandelsplätzen kann nur zu Gunsten der letzteren Stadt aussallen, die der Gegenwart in dem­selben Maße sicher zu sein scheint, wie jene die Größe und Herrlichkeit ver­gangener Zeiten vertritt. Wie verschwinden die paar Schiffe, die man von der Piazetta aus oder am Lido sieht, gegen den Mastenwald, der Triest's langen Hafenkai vom Bahnhof bis zum Leuchtthurm säumt! In Trieft kann man selbst am Sonntage nicht spazierengehen, ohne auf Schritt und Tritt die Spuren schwunghaften überseeischen Geschäfts wahrzunehmen. Venedig hin­gegen enthüllt selbst dem Forschenden die Geheimnisse seines Handels nicht. Statt des Tergesteums, wo die Zeitungen des ganzen Orients eifrige Leser finden, Handelsdepeschen jede Mauerecke bedecken, und zu jeder Stunde des Tages Geschäfte abgeschlossen werden, hat es den Marcus-Platz. der nur einem holden Müßiggange gewidmet ist. Die berühmte alte Frage, was es auf dem Nialto Neues gebe, kann nicht mehr erklingen, seit diese vornehmste aller Brücken dem gemeinen Wochenmarktsverkehr überlassen ist. Die Shylocks von heute handeln mit alten Kleidern, und die Antonios und Basscmios treiben Pachtgelder von festländischen Ländereien ein oder sitzen über unfrucht­bar daliegenden Säcken mit Zechinen.

Sehr wenige der alten Geschlechter Venedigs eristiren bekanntlich noch in einem Reste des einstigen Glanzes und Lebensgenusfes. Das letzte Jahr­hundert der Republik, während dessen ihre Stadt war. was jetzt Paris ist, der Sammelplatz des fashionablen und vergnügungssüchtigen Europa, hat die meisten jener fürstlichen Vermögen aufgesogen, welche früher lange Jahr­hunderte zusammengehäuft hatten. Die Paläste am Canale Grande stehen öde und in einem kläglichen Verfall, wenn nicht etwa eine Tänzerin, wie die Taglioni, die zu sparen verstanden hat, oder eine vertriebene Dynastie, gleich

Grenzbotm III. 1869. 44