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Politischer Monatsbericht.
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Politischer Monatsbericht.

X Leipzig, den 30. Juli.

Wenn Regierungen und Völker Europas vor zwanzig und vor dreißig Jahren nach den Neuigkeiten aus Paris fragten, so geschah das, weil der Lauf der Dinge in der französischen Hauptstadt auf die innere Entwickelung der übrigen Staaten Einfluß übte und man von ihnen lernen zu können glaubte. Heute hat dieselbe Frage eine wesentlich andere Bedeutung. Man wirst sie auf, weil man wissen will, ob es mit der Verzweiflung der Fran­zosen an sich selbst, bereits so weit gekommen ist, daß sie nach einer auswär­tigen Verwickelung greifen müssen, um ihren inneren Bankerott zu maskiren.

Sieben Wochen sind seit den Hauptwahlen zum gesetzgebenden Körper Frankreichs vergangen und noch immer gestehen die genausten Kenner fran­zösischer Dinge achselzuckend ein, daß die Lage sich nicht übersehen lasse. Charles de Mazade hat das Geheimniß dieser Lage in ein kurzes aber treffen­des Wort zusammengefaßt:I/adLönee ü'dommös capadles äs 5-6 wesurer avölz les oireoustg.i»oes> Weder der Kaiser noch die Nation vermag Männer ausfindig zu machen, die genau wissen, wie dem kranken Staat zu helfen ist und deren Namen irgend geeignet wären das Vertrauen des Landes zu wecken. Die Hauptwahlen fielen im Sinne der extremen Parteien aus, die entweder blindes Vertrauen zu der kaiserlichen Regierung oder unversöhnliches Mißtrauen gegen dieselbe auf ihre Fahnen «/schrieben hatten; die Nachwahlen zeigten, daß die Franzosen vor den Consequenzen ihres eignen Willens zurückschreckten, sobald dieselben klar zu Tage lagen und sprachen sich demgemäß im Sinne des gemäßigten Liberalismus und eines monarchischen Constitutionalismus aus; die bisherige Opposition, die man noch eben desavouirt hatte, erhielt eine Art von Vertrauensvotum. Dann folgten jene halb revolutionären, halb kindischen Auf­tritte in den Straßen von Paris, welche einige Tage lang ganz Europa beschäftig­ten und dann vergessen wurden, noch bevor man nur über ihren Ursprung und ihre Bedeutung ins Klare gekommen war. Alle Welt erwartete eine Meinungs­äußerung darüber, wie der Kaiser die Lage auffaßte, aber der Kaiser schwieg hartnäckig und wenn er sprach, schien er den Leuten sagen zu wollen: Ich Grcnzbottn Nl. 18V9. 21