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Zwei Tage darauf, am 4. Juni, war Ministerrath. Der König war unnachgiebig. Er sagte zu den versammelten Ministern (Mllamarina, la Margherita, Avet, Revel, Desambrois): „Ich stelle die Frage der nationalen Würde und Ehre nicht allein über jeden materiellen Streit oder Nachtheil, sondern auch über die Opfer, welche ich vielleicht gezwungen sein werde von meinen Unterthanen zu verlangen; denn ich bin sicher, daß sie sich mit Freuden lieber allen Prüfungen unterziehen, als daß durch Nachgiebigkeit die Ehre und Unabhängigkeit von Thron und Nation beeinträchtigt wird."
Karl Albert war zwar noch keineswegs am Ende jener Periode zweideutigen und widerspruchsvollen Schwankens angelangt. Aber die Schale neigte sich jetzt auf die andere Seite. Die nationale Bewegung, der in Kurzem die Papstwahl Mastai Feretti's einen neuen Anstoß geben sollte, veränderte die Lage dermaßen, daß sie nicht mehr mit den Recepten der alten Staatskunst zu behandeln war. Schon zeigten sich an anderen italienischen Höfen Neigungen, sich der Bewegung zu bemächtigen. An Piemont trat die Frage heran, ob es im Kampf gegen die Revolution oder im Bund mit der Revolution und diese zügelnd das eigene Heil versuchen solle. Der Einsatz war beidemal der höchste, aber im einen Fall war nichts, im anderen Alles zu gewinnen. Das eigene Interesse des piemontestschen Staats entschied dafür, die nationale Bewegung in die Hand zu nehmen.
^. I..
Aus der Provinz Hannover.
Mehr als zwei Jahre sind es nun, seit Hannover den stolzen Titel eines selbständigen Königreichs mit dem bescheideneren einer preußischen Provinz vertauscht hat. Zwei Male schon hat in denselben Räumen, in welchen srüher die getreuen Stände des Königreichs Hannover sich zu versammeln pflegten, der neue Provinziallandtag getagt. Die Organisation der mittleren und unteren Provinzialverwaltung ist der Hauptsache nach zum Abschluß gemacht und die zur Ueberführung in die neuen Zustände dienende Zwischenzeit kann als beendet angesehen werden. Fest gefügt und sicher unter Dach gebracht steht der neue Bau da. Freilich, noch immer bläst die wel- stsche Agitation ihre Drohungen in die Welt, vor denen Niemand sich fürchtet, und wirft mit Prophezeiungen um sich, an die Niemand glaubt. Je Mehr die neuen Zustände sich consolidiren, um so ungefügiger geberden sich
Grcnzboten II. 1869. 30