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kirchliche Gleichgiltigkeit der Bewohner Berlins ziehen zu können. Allein man hat sich allem Anschein nach doch verrechnet: die Wechsel werden protestirt zurückkommen. Das Pflichtgefühl von Familienvätern, das Selbstbewußtsein denkender Männer und die Umsicht thätiger Politiker, denen die Solidarität alles geistigen Fortschrittes aufgegangen ist, erheben sich gleichzeitig gegen die Anmaßung einer Anzahl beschränkter Fanatiker oder herrschsüchtiger KirchendeSpoten. und man kann mit großer Zuversicht prophezeien, daß weder das Knaak'sche Ordinations-Formular noch das Bachmann'sche Gesangbuch zu thatsächlicher Geltung gelangen, wohl aber wird im Gegentheil die geflissentlich aufgehaltene Entwickelung des kirchlichen Repräsentativsystems einen einen neuen unwiderstehlichen Anstoß erhalten. So schickt sich denn der Geist des Protestantentags bereits an, in die ihm bisher nicht recht zugängliche evangelische Hauptstadt Deutschlands siegend einzuziehen.
Bei der Verabschiedung ist u. a. im Ausschuß auch die Absicht ausgesprochen worden, den Weg dorthin über Sachsen, speciell über Leipzig zu nehmen, wo seit kurzem ebenfalls ein Zweigverem besteht. Wir wünschen das umsomehr, da hier eine Erschütterung der geistlichen Atmosphäre nicht minder von Nöthen ist. Fast in denselben Tagen, in welchen der Protestanten-Verein in Bremen berieth, fand sich in Leipzig in Gestalt der Pastoralconferenz ein dem berlinischen in vielen Stücken geistesverwandter Protest-Verein zusammen, welcher der altlutherischen Tradition Kursachsens alle Ehre macht. Was aber bei dieser Solidarität der orthodoxen Interessen tröstlich sein kann, ist die heftige Frontstellung, welche diesmal wie im vorigen Jahre die leipziger Versammlung dem Gewissenszwang der preußischen Union, namentlich den neuen Provinzen gegenüber einnahm. Ehe sich jene beiden Lager darüber geeinigt haben werden, ob der Zwang zur Freiheit, d. h. die Union, oder die Freiheit zum Zwange, d. h. consessionelle Sonderkirche, vorzuziehen ist, wird hoffentlich schon genügende Bresche in die feindliche Beste gelegt sein. —
Literatur.
Ch. H. Weiße. Kleine Schriften zur Aesthetik etc. Aus dem Nachlasse zusammengestellt von Prof. Rudolph Seydel. Leipzig, Breitkopf und Härtet. Ders. Beiträge zur Kritik der paulmischen Briefe, herausgegeben von E. Sülze. Leipzig, S. Hirzel. . Als im Herbste 1866. nicht unähnlich seinem ersten Lehrer Hegel. Christian Hermann Weiße der furchtbaren Krankheit erlag, die als Nachfolgerin des Krieges die Friedfertigen heimsuchte, da ward ein Leben zerrissen, das den Jahren zum Trotz noch in voller Blüthe großer Entwürfe stand. Was die Natur an diesem Manne ganz besonders feiern zu wollen schien, was er sich verdient hatte durch stolze Enthaltsamkeit und tapfere, oft spartanische Lebensführung: ein geruhiges Greisenalter, bewußtes allmähliches Scheiden von dem Kunstwerke eines reifen Daseins, — gerade das war ihm versagt. Und mehr noch: wer ZU den Seinigen zählte, nahm von diesem Grabe die schmerzliche Erinnerung hinweg, daß die Nachwelt nachzuholen habe, was die Zeitgenossen in vielen Stücken versäumten. Denn so reich die Arbeitsernte auch ist, die in seinen wissenschaftlichen