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Goethe und Kosegarten.
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Goethe und Kosegarten.

Am Schluß des westöstlichen Divans sagt Goethe, nachdem er von der Schwierigkeit der Rechtschreibung orientalischer Worte bei so großer Verschiedenheit älterer und neuerer Orientalisten gesprochen hat, daß man sich einer sicheren Autorität kaum unterwersen könne:

Dieser Sorge hat mich jedoch der ebenso einsichtige als gefällige Freund, I. G. L. Kosegarten, dem ich auch obige Nebersetzung der kaiserlichen Gedichte verdanke, gar freundlich enthoben und Berichtigungen, wie sie im Register enthalten sind, wo auch zugleich einige Druckfehler bemerkt worden, mitgetheilt. Möge dieser zuverlässige Mann meine Vorbereitung zu einem künftigen Divan gleichfalls geneigt begünstigen."

Nachdem im Jahr 1814 der westöstliche Divangegründet war" (Werke 32 S. 91), sah sich Goethe im Verlaufe dieser dichterischen Arbeit ganz be­sonders auf Belehrung durch Fachgenossen hingewiesen; er berichtet, wie Dietz in Berlin, Lorsbach in Jena, Silvestre de Saey sich be- eiferten, ihm auf seinewunderlichen Fragen" Rede und Antwort zu stehen (Werke 32 S. 93). Nach Lorsbachs Tode mußte dessen Nachfolger in Jena, war er irgend der Mann dazu, Goethe die nächste und deshalb willkommenste Hilfe bieten.

Joh. Gottsr. Ludw. Kosegarten (geb. 1792),- der Sohn des- gen'schen Dichters, wurde, nachdem er seit dem Jahr 1812 das Studium der orientalischen Sprachen in Paris betrieben hatte, 181S in Greifswald als Adjunct angestellt, und von da 1817 als ordentlicher Professor nach Jena berufen, wo er im August sein Amt antrat. Schon im October finden wir ihn im brieflichen Verkehr mit Goethe, der ihm mit Büchern aus der wei­marischen Bibliothek aushalf und sich dagegen mancherlei Auskunft von ihm erbat. Goethe hatte, da ihn seine vielseitigen Interessen und Arbeiten in so verschiedenartige Gebiete führten, ein entschiedenes Bedürfniß, die wesentliche Belehrung nicht allein aus Büchern, sondern aus dem lebendigen Verkehr mit Fachmännern zu schöpfen, welchen er Vertrauen schenkte. Von diesen war ohne Umwege das zu gewinnen, was seinen Zwecken diente, sie setzten ihn unmittelbar zu dem in den Stand, wozu seine Natur ihn unwiderstehlich trieb, selbst zu beobachten und selbst zu versuchen. Die erste Voraussetzung war für ihn natürlich, daß der Mann, an welchen er sich wandte, in seiner Wissenschaft fo zu Hause sei, daß er ihm alles Thatsächliche zuverlässig über­liefern könne; wenn er diese Ueberzeugung gefaßt hatte, so beruhigte er sich gern bet der anerkannten Autorität. Hatte der Berather den sicheren Ueber­blick und die Klarheit der Fassung, um den außerhalb des Fachs Stehenden