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Ein Gruß an die Süddeutschen.
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Ein Gruß an die Süddeutschen.

Nicht immer werden die großen Momente einer Nation von den Mit­handelnden in gehobener Stimmung und mit dem vollen Bewußtsein eines mächtigen Thuns durchlebt. Was späteren Geschlechtern hervorgegangen er­scheint aus dem gewaltigen Zuge des Volksgemüths, das ist, so lange es wird, ein Kampf, dem Sorge und Haß, bittere Stimmungen, schweres Ge­fühl der Verantwortlichkeit, Unsicherheit und innerer Widerspruch nicht fehlen. Und bei dem Fortschritt, den die Einigung deutscher Stämme jetzt macht, trug vieles bei, das stolze Bewußtsein eines starken Erfolges zu stören. Die Veranlassung ein innerer Krieg, das neue Parlament durch den Sieger einge­richtet, was so lange Sehnsucht der Besten war, wird fast in Form eines Befehls lebendig. Auch die mehrjährige ununterbrochene parlamentarische Arbeit in dem Reichstage und in den Etnzelstaaten hat die Frische vermin­dert, dauernde Störungen im Verkehrsleben haben dem Wohlstand Vieler Wunden geschlagen And die Seelen kleinmüthig gemacht. Vielen Deutschen sind die Forderungen, welche der neue Staat erhebt, noch etwas Fremdar­tiges, ja Widerwärtiges. Das Neue hat noch nicht Zeit gewonnen, überall unleugbaren Segen zu verbreiten, und doch ist der erste Sturm der Be­geisterung verrauscht und die fügsame Behendigkeit der Noth geschwunden, die Reaction hat überall ihre Kräfte gesammelt und die Stellen gesucht, wo sie das neue Leben schädigen könne. Endlich ist die nächste Aufgabe des Par­laments die Ausgleichung sehr materieller, einander feindlicher Interessen. So kommt es, daß die Mitglieder des Zollparlaments mehr besorgten und unzufriedenen Geschäftsleuten, als politischen Führern einer großen und edeln Nation gleichen.

Auch wer die volle Wärme einer schöpferischen Zeit in sich trägt, mag ernster Besorgniß sich nicht entschlagen, die fortgesetzten hastigen Rüstungen Frankreichs mahnen zur Vorsicht, die schamlosen Verbindungen der Gegner mit jeder feindlichen Macht des Auslandes demüthigen das deutsche Ehrge­fühl Es ist sicher keine Zeit, sich heiterer Freude zu überlassen.

Aber wir sind Deutsche, und wenn unser Wesen eine charakteristische Grenzvoten II. 18L8. 21