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Die Parteien in Serbien.
>c Bei dem lebhaften Eifer, mit welchem die russische Nationalpartei seit dem Slavencongreß des vorigen Sommers die slavischen Zustände in Oestreich und der Türkei verfolgt , hat es nicht ausbleiben können, daß Menschen und Zustände an der untern Donau von der russischen Presse mit zunehmendem Eifer behandelt werden. Gerade der ausgesprochene Parteistandpunkt der panslavistischen Schriftsteller, welche sich der Betrachtung der serbischen, rumänischen und bulgarischen Zustände zugewendet haben, macht es dem kritischen Leser leicht, aus den gesärbten Darstellungen dieser Publicisten die Wahrheit heraus zu lesen und ine Uebertreibungen und Einseitigkeiten, ohne welche es einmal nicht abgeht, auf das richtige Maß zurückzuführen. Wir nehmen darum keinen Anstand, einer Reihe in Petersburg veröffentlichter russischer Publicationen nachstehende Notizen über das serbische Parteileben zu entnehmen.
An der Spitze der serbischen Geschäfte steht der Minister Garaschanin, ein Mann, der seine öffentliche Laufbahn noch unter dem alten Milosch begonnen. Serbien hat bekanntlich das Geschick gehabt, abwechselnd von zwei Dynastien, den Obrenowitsch und den Nachkommen Kara Georg's beherrscht zu werden, und beide Fürstengeschlechter sahen in dem gewandten Vertreter der altserbischen Tradition die zuverlässigste Stütze ihres Systems.
Diese Tradition des serbischen Gouvernements — so behaupten die ruf- fischen Darsteller — stehtin ziemlich ausgesprochenem Gegensatz zu den Bestrebungen der modernen Serben. Garaschanin geht von der Ueberzeugung aus, daß die serbischen Fürsten ihre und ihres Staats unabhängige Stellung nur zu behaupten vermögen, wenn sie den Einfluß der We'stmcichte mit dem Nußlands in gehörigem Gleichgewicht erhalten und die Pforte davon überzeugen, daß die Vergrößerung des serbischen Gebiets ihren eigenen recht verstandenen Interessen entspreche. Jede gewaltsame Störung der gegebenen Verhältnisse, jede Annäherung an die von den Panslavisten verfolgten Ziele setzt nach des leitenden Ministers Meinung Serbiens Sonderstellung unter den verwandten Stämmen und die fürstliche Souverainetät aufs Spiel. Er ist der Ueberzeugung, daß weder die großserbische noch auch die panslavisti- sche Partei ein ernsthaftes Interesse an der Aufrechterhaltung der monarchischen Staatsform und ihrer Vertreter habe.
Diese Auffassung hat den Gegensatz bedingt, welchen die serbische Regierung seit längerer Zeit zu den liberalen und nationalen Parteien einnimmt. Diese letzteren standen im Jahre 1858 auf der Höhe ihrer Bedeutung und ihres Einflusses. Fürst Alexander Karageorgewitsch hatte Garaschanin wegen der neutralen Stellung des serbischen ' Cabinets, die dieser zur Zeit des orientalischen Krieges durchgesetzt, entlassen und ins Ausland schicken müssen; dann war der Fürst im Jahre 1858 auf Beschluß der Landesvertretung (Skuptschina) zur Abdankung gezwungen und durch Milosch ersetzt worden. Als Beherrscher der Situation hatte Gruitsch, der Präsident der Skuptschina, eine Reihe liberaler Gesetze durchgesetzt, welche dem Volk einen beträchtlichen Antheil an der äußeren und inneren Politik sicherten, und den Fürsten in der Auswahl seiner Räthe beschränkten. Des Milosch Sohn und Nachfolger, Fürst Michael, war durch den großen Einfluß der Gruitsch, ^jitsch und Jankowitsch wiederholt peinlich berührt und gleichzeitig der lür- tlschen Regierung gegenüber compromittirt worden. Nachdem seine persön- uchen Anhänger wiederholt mit den Führern der liberalen Partei in Conflict gerathen und von diesen um die beanspruchte Theilnahme an den Geschäften