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Wissen mögen; und folglich sei es auch unhtstorisch, daß Lessing nun an dieser Stelle stehe. »
Di;se Darstellung, obwohl ausführlich genug und mit Einzelheiten ausgeschmückt, ist hypothetisch, um nicht apokryphisch zu sagen. Allein auch abgesehen von diesen Zweifeln, was würde jener Schriftsteller wohl meinen, wenn man „historisch" verfahrend Voltaire, d'Alembert und Maupertuts auf das Postament gesetzt hätte? Es ist ja gerade schön, daß die Nachwelt die Gegensätze in Friedrichs und' Lessing's literarischen Richtungen im höheren Sinne versöhnt; Lessing wäre ohne das an Friedrich sich aufrichtende Selbstgefühl des deutschen Volkes nicht Lessing geworden, er hat den großen König in der Minna so schön verherrlicht, es ziemt sich also, daß er nun im Abglanz des königlichen Ruhms auch an dieser ehrenvollsten Stelle steht.
Julius Friedlaender.
Friedrich Gentz.
Karl Mendelssohn-Bartholdy, Friedrich von Gentz. Ein Beitrag zur Geschichte Oestreichs im XIX. Jahrhundert. Mit Benutzung handschriftlichen Materials. Leipzig, Hirzel, 1867. — Derselbe, Briefe von Friedrich von Gentz an Pilcit. Ein Beitrag zur Geschichte Deutschlands im XIX. Jahrhundert. 2 Bände. Leipzig. Bogel, 1868. — (v. Prokesch-Osten) Aus dem Nachlasse Friedrichs von Gentz, I. Briefe, kleinere Aufsätze, Aufzeichnungen. II. Denkschriften, Wien, Gerold, 1867.
Noch immer ist das Interesse, welches Friedrich Gentz uns einflößt, im Steigen. Jeder neue Beitrag zur Geschichte Napoleons I. oder Metternichs — also jede Aufklärung über die jüngstvergangene, auf uns nachwirkende Zeit lenkt uns wieder auf seine umfassende politische Thätigkeit zurück, und jede Mittheilung von seinem Wirken und Leben hebt uns zugleich von neuem die unversöhnlichen Gegensätze in seiner Natur heraus. Er fesselt uns gleich sehr als Staatsmann und als Mensch; sein Charakter und seine politische Thätigkeit erläutern sich gegenseitig. Man muß ihn aus seiner Zeit, und seine Zeit aus ihm selbst verstehen lernen. Was wir aber von ihm wissen, erregt zu gleicher Zeit so sehr unsere Bewunderung und unsere Verachtung, daß eine vorurtheilsfreie Schätzung uns erheblich erschwert und entfremdet wird. Sein politisches Wirken ist man jetzt, wo man sich mit mächtigem Zuge aus der Zeit politischen Druckes und Stillstands zu lösen bestrebt ist, und wo man alles, was jetzt noch unzulängliches und kleinliches zu ertragen ist, alle Verderbniß und alle Ohnmacht politischer Zustände aus jene Zeit Grenzboten I. 1868. 67