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Ein Troliador des 12. Jahrhunderts.
Ms mit dem Ende des 4. Jahrhunderts germanische und asiatische Horden über das westliche Römerreich immer unaufhaltsamer hereinbrachen, da mußte bald unter dem wüsten Lärm barbarischer Zungen die feinere Stimme römischer Poesie und Beredtsamkeit verstummen. Jahrhunderte lang währte es, bis aus dem Schütte der zertrümmerten antiken Cultur die junge Blüte mittelalterlichen Denkens und Dichtens zu eignen selbständigen Gestaltungen erstarken konnte. War doch selbst die Sprache, welche schon lange vor dem losbrechenden Völkersturm im römischen Reiche viel von der strengen Reinheit des classischen Alters verloren hatte, durch die mannigfaltigsten Einflüsse neuer Idiome zu einer Verwirrung des gesammten Formen- und Satzbaues zerfallen, daß zu der Ausübung einer Poesie im höheren Sinne,-zu einer Kunstpoesie die nöthigste Unterlage mangelte. Von allen Zweigen des romanischen Sprachstammes gelang es durch.eigenthümlich günstige Umstände zuerst dem provenzalischen. sich zu einer deutlich abgegrenzten künsterisch zu verwerthenden Redeform auszubilden. Sein Gebiet umfaßte, weit über die Grenzen der heutigen Provence hinaus, das ganze südliche Frankreich und die nächstgelegenen Theile Spaniens; der zusammenfassende Name Provence und provenzalische Sprache erinnerte noch an die alte xioviueia romima, der Cäsaren. Eine reiche, gern gewährende Natur, der äußere Wohlstand und der aufgeweckte Sinn der Bewohner waren der Pflege der Poesie in diesem gesegneten Himmelsstriche überaus günstig, und so mögen schon früh die Klänge der Viola vereint mit frohem Gesang die Erntefeste fröhlicher Landleute belebt haben. Aus dieser älteren Epoche eines von Jongleurs und Bänkelsängern geübten, wahrscheinlich meist epischen Volksgesanges ist nichts erhalten, und die poetische Literatur in provenzalischer Mundart oder (wie man sie nach der Bejahungspartikel im Gegensatz zur nordfranzösischen Ig,nAus Ä'oil nannte) in der lemZue ä'oe beginnt für uns erst mit dem Ende des 11. Jahrhunderts. Um das Jahr 1090 tritt uns als erster Kunstdichter, als erster „Trobador" ein edler auch der Geschichte bekannter Fürst, Wilhelm IX. von Poitiers entgegen. Dieses plötzliche Auftauchen eines künstlerisch ausgebildeten, alle Regeln minutiösester Vers- und Neimkunst mit Leichtigkeit handhabenden Poeten möchte in der Geschichte aller Literaturen vielleicht einzig dastehen, und auch hier nur durch das spurlose Verschwinden vorangegangener Stufenglieder zu erklären sein. Ungefähr zu gleicher Zeit fiel die erschütternde Kunde von der Schändung des heiligen Grabes, von der Bedrängniß frommer Pilger durch die Ungläubigen wie eine Brandfackel