Ein Brief des Grafen von Paris über Deutschland.
Das folgende Schriftstück geht uns in deutschem Text mit der Ermächtigung zu, dasselbe unter dem Namen des Autors zu veröffentlichen.
Im Hinblick auf die vielen Umwälzungen, welche Frankreich seit achtzig Jahren erfahren, ist es nicht bedeutungslos, zu wissen, welche Anschauungen der älteste Enkel Louis Philipps vertritt, der möglicherweise auf die Geschicke Europas noch einmal von Einfluß sein kann.
Das Exposö, hier und da durch Gegner Preußens beeinflußt, und in einem Punkte durch spätere Ereignisse widerlegt, stellt den Prinzen als Mann von Geist und Urtheil, als warmen Anhänger der liberalen Ideen, als einen aufrichtigen Freund des Friedens und, für einen Fremden, als merkwürdig guten Beobachter deutscher Detailverhältnisse dar.
Der Artikel war mit einigen weiteren Ausführungen, ohne den Namen des Autors zu nennen, im August 1867 in der Rsvus des cieux Nondes Mitgetheilt. Trotzdem glauben wir, den Abdruck des deutschen Textes den Lesern nicht vorenthalten zu dürfen, da der Name des Verfassers dem französischen Urtheil auch da. wo es von den Anschauungen dieses Bl. abweicht, eine Bedeutung gibt.
20. Juli 1867.
Vor meiner Abreise nach Deutschland versprach ich Ihnen die Eindrücke Mitzutheilen, die ich von dort zurückbringen würde. Lediglich, um mein Wort zu halten, ergreife ich jetzt die Feder; denn einestheils war meine Neise eine so schnelle, daß die Eindrücke ziemlich unvollständig sein dürften, andrerseits aber sind diese selbst wieder so verschiedener, ja man könnte sagen, sich widersprechender Natur, daß ich fürchten muß, über die Grenzen eines Briefes hinausgeführt zu werden. In Wahrheit haben sich die Gemüther in Deutschland noch nicht von der tiefen Verwirrung erholt, in welche sie durch die Ereignisse des vorigen Jahres versetzt wurden. Situation. Ideen, sogar Prinzipien: Alles wurde über den Haufen geworfen, und Niemand weiß Grenzboten I. 18»8. 16