Beitrag 
Für Schleswig-Holstein.
Seite
118
Einzelbild herunterladen
 

118

Stellung des Ministerpräsidenten Verbreiten, nicht täuschen lassen. Die letzten Conscilsitzungen haben offenbar nicht das günstige Resultat gehabt, die Politik des Herrn v. Bismarck zu befestigen, wie inspirirte Federn frohlockend meldeten. Es ferner ist eine offenbare Unwahrheit, wenn von Berlin der Neuen Frankfurter und andern Zeitungen gemeldet wird, daß auch der Thron­folger von Preußen sich irgendwie den Ansichten dieses Ministeriums in der schleswig-holsteinischen Sache genähert habe, und es ist endlich offenbar, daß die heuchlerische und perfide Haltung des schlechtesten aller Blätter, der Kreuz­zeitung und ihrer Genossen, im letzten Grunde nur aus banger Sorge um die Zukunft des preußischen Ministerpräsidenten hervorgeht. Es steht sehr schlecht in Preußen, aber auch dort bereitet sich ein Umschwung vor. Wir bedauern, daß er nicht vorzugsweise durch die patriotische Energie des preußischen Vol­kes bewirkt wird, und wünschen innig, daß er früh genug eintreten möge, um Preußen und Deutschland vor großer Schmach zu behüten.

Neue Beiträge zur Literaturgeschichte.

Von Gottsched bis Schiller. Vortrage über die classische Zeit des deut­schen Dramas von Joses Bayer. 3 Theile. Prag. Druck und Verlag von Heinrich Mercy. 1863.

Weniger eine eigentliche Geschichte der deutschen Bühnendichtung in der ge­nannten Zeit, als eine Reihe von Charakteristiken bedeutender Dichter derselben und von Abhandlungen über das Wesen des Dramas. Der erste Theil beschäftigt sich kurz mit Gottsched und den Vorgängern Lcssings, dann eingehend mit Lcssing selbst und dessen einzelnen Dichtungen. Der zweite bespricht zunächst die Originalgcnies der Sturm- und Drangpcriode, bann Goethe in seinen drei Entwickclungsphaseni die Götz- und Werthcr-Zeit, die Jahre, in welchen Egmont, Zphigcnie und Tasso entstanden, endlich die Zeit, in welcher der Faust abgeschlossen wurde. Der dritte Theil behandelt schließlich nach einer allgemeinen Charakteristik Schillers und einem Blick aus das Verhältniß desselben zu Goethe in fünf Abschnitten die Jugcnddramen Schillers, den Don Carlos. Schiller als Philosophen, die Wallenstcin-Triologic und die Dramen der letzten Jahre des Dichters. Besonders viel Neues über die Haupt- dichter weiß uns der Verfasser nicht zu sagen, doch beruht, was er in Betreff der­selben sagt, auf guten allgemeinen Studien und einem richtigen Gefühl. Dagegen werden die Partien seines Buchs, welche die Schule Gottscheds, die Vorläufer Lcs­sings und dann Lenz und Klingcr ins Auge fassen, als Beleuchtungen eines bisher noch nicht in dieser Aussührlichkcit besprochenen Gebiets willkommen sein. In der Sprache des Verfassers hätten wir etwas weniger Blumen gewünscht. Auf jeder Seite mindestens ein halb Dutzend Bilder ist ein Stil, der nur in Oestreich, dem deutschen Orient, aufkommen konnte und nur dort noch in der Mode ist. Lessing und Goethe wissen davon nichts. In der Regel bedeckt man mit solchem bunten Flitter nur Armuth des Wissens und Empfindens, und der Verfasser hat Fonds genug, um solche Kunststücke entbehren zu können.