503
Schleswig-Holstein und die Mittelstanten.
Aus Schwaben, 20. Dcc.
Der Glaube an den Beruf der deutschen Mittel- und Kleinstaaten zu einer selbständigen nationalen Politik schien niemals berechtigter als in den letzten Wochen. Hier hatte sich nicht nur die öffentliche Meinung mit seltener Einstimmigkeit und Energie für das Recht Schleswig-Holsteins ausgesprochen, sondern auch unter den Regierungen war zum Theil guter Wille für eine gute Sache vorhanden. Dennoch haben aber die Erfahrungen der jüngsten Wochen hingereicht, jene Illusion gründlich zu zerstören.
Der einzige gerade Weg zur Durchführung des Rechts der Herzogtümer war der, daß die Bewegung, die der Tod des Königs Friedrich in Deutschland zur Folge hatte, sich in den preußischen Staat ergoß und die Verwendung seiner Mittel für die nationale Sache durchsetzte. Gelang es nicht, der Bewegung diesen Lauf zu geben, so schwankte sie ziellos hin und her, die Initiative ward bald diesem bald jenem zugeschoben, und ein glücklicher Ausgang war im Grunde nur mehr vom Zufall zu erwarten.
Die namenlos traurige Lage des preußischen Staats verdunkelte jenen einzig richtigen Weg. In Preußen selbst war der Blick durch die nähere Be- drängniß getrübt. Ich wiederhole nicht, was man vom preußischen Volk und seiner Volksvertretung erwartete. Welchen Erfolg der spät erst unter weit ungünstigeren Umständen durchgedrungene Entschluß einer Adresse an die Krone haben wird, steht in diesem Augenblick noch dahin. Wiederum richten sich die Blicke ängstlich fragend nach Berlin, wo in diesem Moment über mehr entschieden wird, als über das Erbrecht eines kleinen deutschen Fürsten.
So sehr schien der innere Verfassungsconflict jede preußische Activn unmöglich zu machen, daß preußische Blätter in den Ruf der Süddeutschen einstimmten: Deutschland sei diesmal im Lager der Mittelstaaten. Auf der nürnberger Versammlung stimmten, wie versichert wird, preußische Abgeordnete zu, daß die Initiative von Bayern ausgehen müsse. Die süddeutschen Abgeordneten selbst waren über die Bereitwilligkeit, mit welcher jene dies thaten, betroffen. Es hatte eine sehr bedenkliche Seite, wenn noch später preußische Adressen und Resolutionen im König von Bayern den Retter Deutschlands begrüßten und erklärten, „daß nur mehr vom Vorangehen Bayerns und Badens eine glückliche Wendung der großen Sache zu erwarten sei".
Fanden diese Gedanken selbst in Preußen Eingang, so war es freilich ver-