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bretterne Häuser die Anfänge eines künftigen Städtchens bilden. Endlich erreichen wir Macon. Traurige Gegend, trübseliges Oertchen mit etwa zweitausend Einwohnern. Dagegen nimmt sich das' Hauptgebäude des Institutes von außen ziemlich stattlich aus. Es ist zwar nur von Hvlzwerk, aber dreistöckig und vorn und hinten mit hohen Säulenhallen verziert. Es wird sich schön wohnen in diesen stolzen und jedenfalls comfortabeln Räumen. Und an angenehmer Gesellschaft wird es auch nicht mangeln. Kommt doch soeben der schnellfüßige Professor der französischen Sprache, Herr Le Maire, herbeigetänzelt und erfahren wir doch schon in der ersten Stunde unseres Lckanntwerdcns von ihm, daß er bereits in der ganzen Welt gewesen und in allen Gebieten der Wissenschaft und Kunst bewandert und daß seine Lehrmethode von der pariser Akademie „approbirt" ist. Gewiß ein sehr achtungswerther College! Langsam und gemächlich dagegen schlendert der eiste Musiklehrer, Herr Oates, eiir,' Hankee, herbei. Er ist vielleicht nicht so liebenswürdig wie der Franzos, ei» wenig phlegmatisch und wortkarg, aber ohne Zweifel gleichermaßen höchst bedeutend. Er ist, wie ich ebenfalls sehr bald erfahre, ein zweiter Thalberg.
Und ich? Ich musterte im Geiste noch einmal meinen musikalischen Schech, fand ihn betrübend ärmlich und begab mich sorgenvoll in das mir angewiesene Bett, wohin mir der Italiener bald folgte. Denn Tom, der Neger, der uns später bedienen sollte, hatte unsre Stube noch nicht geweißt, und so mußten wir einstweilen in der Expedition des Principals in einem Bett zusammenschlafen.
Am nächsten Mvrgen ersuchte ich Herrn Poinderter, mir den Zeichnen- und Malerei-Apparat auszuantwvrten. Er erklärte kaltblütig, daß er von alle dem gar nichts habe. Wie vom Donner gerührt durch diese Nachricht, erinnerte ich ihn an seine frühere Versicherung, daß ich alles zum Zeichnen und Malen Erfordeeliche vorfinden werde; er aber zuckte die Achseln und ließ mich sieben. Also malen konnte ich nunmehr nicht; aber das Zeichnen wollte ich durchaus noch nicht aufgeben. Ich holte daher meine große Etüde, den Frauenkopf, stahl mich in ein Nebengebäude, in welchem die Haupjsehulstube war, setzte mich an ein Sub- scllium und schritt ans Werk. Stundenlang hatte ich im Schweiße meines Angesichts gezeichnet und wollte eben das Resultat meines Kunstfleißcs einmal prüfen, als hinter mir ein schallendes Gelächter ausbrach. Professor Oates hatte sich unbemerkt in die Schulstube geschlichen und mir verstohlen zugeschen. -.Ist das von Ihnen?" sagte er, indem er meine Zeichnung in die Hand nahm und unter krampfhaftem Fvrtlachen näher inspicirte. Ich hielt die Kritik, die er auf diese Art aussprach, für so durchschlagend, daß ich nun auch das Zeichnen aufzugeben und das Schicksal ruhig Watten zu lassen beschloß.
Niedergeschlagen trug ich meinen aufgerollten Fraucnkopf in unsere Wohnstube, die Tom inzwischen geweißt hatte. Sie war in einem Nebengebäude eme Treppe hoch. — Aber wie? Sehe ich recht? Wäre das wirklich ein Wohnzimmer für zwei Professoren oder nur die Ruine eines solchen? So viele zerbrochene Fensterscheiben, die nur theilweis mit Brettern verschlagen oder mit Papier verklebt sind! Und die Wände an der Vorderseite verfallen und voll große Lücken, durch die man ins Freie sehen kann! Und was bedeuten die zahllosen kleinern Löcher, als ob die Wände mit Kartatschen beschossen worden wären? Und dort das Meublement? Zwei wacklige Stühle und ein alter Tisch, dem ein Bein fehlt! Ist das die ganze Professvrenherrlichkeit im stolzen vornehmen ^uden?" Nein, nicht die ganze. Es stehen noch zwei alte Bettstellen in der ^tribe. Und die Hitze! T)ie Sonne lag den ganzen Tag auf dieser Hohle,
-/wch gab> es zur Erquickung nur mattes Regenwasser.