Die polnische Frage in Verbindung mit der sächsischen aus
dem wiener Kongreß.
Geschichte Nußlands und der europäischen Politik in den Jahren 1814 bis 1831. Von Theodor v. Bernhardt. Erster Theil. (Staatengcschichte der neuesten Zeit. 7. Band.) Leipzig. S. Hirzel. 1863. 543 S.
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Durch die im vorigen Abschnitt geschilderte unerwartete Wendung im Gang der preußischen Politik verschoben sich alle bis dahin eingeleiteten Verhältnisse, und die allgemeine Lage erlitt eine wesentliche Verschlimmerung. Besonders zeigten sich die Vertreter Englands verstimmt, da ihr Plan, ein mitteleuropäisches Bündniß. unabhängig von Frankreich zu bilden, gescheitert war. Ihr Mißmuth wurde durch Talleyrand gesteigert, indem dieser Preußens jetzige Bereitwilligkeit, in der polnischen Frage für Rußland zu stimmen, geradezu als „Verrath" und Castlereagh als von Hardenberg „dupirt" bezeichnete. Die Folge war, daß die britischen Diplomaten jetzt bedauerten, sich durch ihre frühern Zusagen in Betreff Sachsens „compromittirt" zu haben, und daß sie sich nach andern Verbündeten umsahen. Sie begannen sich nun Frankreich zu nähern. Dasselbe geschah mehr und mehr von Seiten Oestreichs, doch dachte Metternich nur mit geringer Zuversicht und halbem Willen an ein Bündniß mit den Bourbonen. Desto eifriger ging Bayern in dieser Richtung vor, welches schon seit den Tagen Ludwigs des Vierzehnten gewöhnt war, sich mit Frankreich dynastischer Interessen halber gegen Deutschland zu verschwören, und dessen Minister Montgelas selbst indem Augenblick, wo sein Gebieter sich kurz vor der leipziger Schlacht dem Bunde gegen Napoleon anschloß, den französischen Gesandten damit getröstet hatte, daß Bayern seinen alten Bundesgenossen jenseits des Rheins doch wieder brauchen werde, sobald nur der Friede wieder hergestellt sei.
So vereinigte sich Vieles, um Frankreichs Einfluß auf dem Congreß zu erweitern, und vor Talleyrand, dem vor kurzem noch Gemiedenen, öffnete sich eln weites Feld vielversprechender Thätigkeit. Er brauchte sich jetzt nicht mehr
Grenzboten IV. 1803. 16