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Neue historische Literatur.
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Neue historische Literatur.

Das Leben Jesu von Ernst Renan. 1. Lieferung. Berlin, H. Müllers Verlag. 1863.

Enthält die Einleitung des Werkes und die ersten drei Capitel: Die Stelle Jesu in der Weltgeschichte Kindheit und Jugend Jesu. Seine ersten Eindrücke - Die Erziehung Jesu. Die Uebcrsetzung ist mittelmäßig gut, obwohl sorgfältiger als die gleichzeitig erschienene sehr nachlässig gemachte, bisweilen sinnlose Eichlcrsche. Das Original hat in Frankreich das größte Aufsehen erregt zwölstauscnd Exemplare waren binnen Kurzem vergriffen, während die Bischöfe in - zahlreichen Hirtenbriefen eindringlichst vor der Ketzerei des kühnen Professors warnten.

Und dieses." Aufsehen unter dem französischen Publicum ist begreiflich. Noch nie hatte unsres Wissens ein französischer Gelehrter, der nicht der voltaireschcn Rich­tung angehörte, sondern sich noch zu den Gläubigen zählen konnte, in diesem Grade gegen die kirchliche Ueberlieferung zu schreiben gewagt. Dazu kam eine nicht ge­wöhnliche Kenntniß der deutschen Forschungen auf biblischem Gebiet, viel gesunde eigne Kritik, die durch mancherlei treffende Bemerkungen überraschte, und schließlich eine von den Franzosen auch in wissenschaftlichen Schriften ungern vermißte Rhe­torik, welche den Weg, den die Untersuchung ging, gelegentlich mit Blumen bald pathetischer, bald sentimentaler Art bestreute. Dazu kam endlich, daß der Verfasser die Kenntniß, die ihm ein längerer Aufenthalt in Galiläa vom heiligen Lande ver­schafft', zu sehr ansprechenden landschaftlichen Schilderungen und manchen feinen Schlüssen in Betreff der ersten Entwickelung Jesu und der Anfänge des Christen­thums benutzt hatte.

Für Deutschland stellt sich die Sache, wenn wir Historiker vom Schlage Ewalds ansnehmen, durchaus anders. Wenn Renan durch halbes Hinübcrtretcn von dem dogmatisch befangnen Gebiet auf die Bahn freier historischer Betrachtung unter sei­nen Landsleuten ungefähr ein Aufsehen erregt, wie Strauß seiner Zeit unter uns, so ist sein Standpunkt für uns Deutsche ein in den meisten Beziehungen bereits überwundener. Auch wir können sein Werk in vielen Einzclnhcitcn mit Nntzen lesen, für das Eine und das Andere fruchtbare Anregung daraus entnehmen. Verdienstlich ist die Rücksicht, die er auf den Talmud nimmt. Eine neue sichere Gesammtanschauung der evangelischen Geschichte aber gewinnen wir durch ihn nicht. Vielmehr macht er fast allenthalben den Eindruck eines in der Entpup­pung aus ältern Zustünden Begriffenen. Häufig begegnen wir bei ihm den auf­fallendsten Widersprüche» und Schwankungen, nicht selten willkürlichen Deutungen, und den großen Fortschritt zu wirklich historischer Behandlung der Entstehung des Christenthums, welchen die tübingcr Schule angebahnt. und zum guten Theil schon vollendet hat, hat er offenbar nur halb begriffen und sich angeeignet. In den wich­tigsten Fragen folgt er noch ganz oder theilwcisc der altrationalistischcn Methode, und die Stellung, die er zu den Quellenschriften einnimmt, läßt ihn ebensowenig