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Da dieser Versuch nur dem Sehnen und Streben der Zeit entgegenkam, gedieh das Sadducäerthum lange Jahre in der Stille. „Allein nachdem die Grundsätze und Lebcnsansichten dieser Schule durch die makkabäischen Kriege völlig besiegt waren," siel sie in Dunkel und Verachtung; „ihre Lehrer wurden aus der Reihe der Rechtgläubigengestrichen, und sogar ihre letzten Uebcrbleibscl geriethen trotz aller Schwankungen der nachmakkabäischen Zeiten, wodurch auch sie wieder zeitweise höher stiegen, in immer allgemeinere Mißachtung."
Herr Ewald wird nach dem Angeführten den Schluß erlauben, daß er die Lehre der Sadducäer im Großen und Ganzen für eine Art von Frcidcnkerthum halt, daß nach ihm die Angehörigen derselben im Wesentlichen mit den Grie- chenfreundcn zusammenfallen, deren Ansichten in jenem Jason nur einen über die Schranke des Gesetzes hinausgehenden Auswuchs trieben; daß ferner der Hauptgrundsatz des Sadducciismus möglichste Unbcschränktheit im Genießen war, und daß diese Genießlinge, diese Epicuräer in der Periode zwisclM dem makkabäischen Aufstand und dem Auftreten Jesu in der politischen wie in der religiösen Entwickelung des Volkes eine untergeordnete Rolle spielten.
Und die Pharisäer Ewalds? — Sie entstanden nach der makkabäischen Erhebung aus den Chassidim oder Frommen, den Griechenfeinden und Gesetzeseifrigen. „Kaum hatte diese große Partei deu Sieg gewonnen, als eine Fractivn derselben die Quelle, aus welcher sie die Mittel des Sieges geschöpft hatte, mit diesen selbst verwechselte und die Schrift noch höher stellte, und noch ängstlicher verehren wollte, als dies früher geschehen war." „Ihr Trieb ging von Anfang an weit weniger auf stilles Erkennen, mühevolles Ergründen und schweres Arbeiten, als vielmehr auf Handeln und Herrschen im Volke."
Ewald meint, es seien „gewiß meist die jüngeren" Glieder der chassidäi- schcn Partei gewesen — vermuthlich nach dem Erfahrungssatz, daß nur altgewordene Gottesgelehrte den Trieb nach stillem Erkennen, mühevollem Ergründen u. d. m. empfinden, und daß solche alte Herren niemals ungebührlich ehrgeizig und herrschsüchtig sein können. Er fährt dann fort:
Sie „wollten vor Allem den errungenen Sieg mit seinen angenehmen Früchten festhalten und ausbeuten. Sie begriffen, daß nur die Frömmigkeit auch im großen Volke so große Thaten bewirken und die Gemeinde zusammenhalten und stark machen konnte. Aber, von Herrschsucht getrieben nnd dunkler oder bewußter der eigenen Selbstsucht fröhnend, machten sie die Frömmigkeit zu einer Art von Kunst und Gewerbe, um durch sie dauernd zu herrschen." Der Trieb der Zeit kam ihnen dabei entgegen. „Das Gebet wurde die tiefste große Macht der Zeit; nachdem es dies geworden, lag sein Entarten mannigfach nahe; aber die Pharisäer scheuten sich nicht, es überall recht geflissentlich vor dem Volke zu zeigen. Durch Wohlthun und milde Gaben aufs Willigste und Reichste zu wirken, war diese Zeit längst weich genug gebildet, und das vor