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Alls Schwaben.
31. August.
Die Debatten und Beschlüsse des Abgeordnctcntags haben in unsern liberalen Kreisen überall Zustimmung gefunden, um so mehr, als man in ihnen nur einen Ausdruck der politischen Gesinnung erblicken kann, welche gerade hier während der letzten Bewcgungsjcchre vorherrschend gewesen ist. Es fehlt zwar nicht an Solchen, welche an einzelnen Worten mäkeln, die Alles viel besser und richtiger gemacht hätten, die den „diplomatisirenden, verwaschenen, vermittlungssüchtigcn" Charakter der Resolutionen angreifen und dem Abgeordnetcntag in demselben Athem zu große Schwäche und zu große Schroffheit vorwerfen. Aber diese Leute — man kennt sie hier sehr gut — beweisen damit nur aufs Neue, wie wenig sie geneigt sind, ihre individuellen Rechthabereien und kleinlichen Ncrgclcien dem Zusammenwirken der nationalen Parteien unterzuordnen, das gerade im gegenwärtige» Augenblick doppelt unerläßlich ist, wie denn nur durch die in Frankfurt erzielte Einstimmigkeit die Beschlüsse die nöthige moralische Autoritär erhielten, — zugleich ein hocherfreuliches Gegenstück zu der in dem Augenblicke, da wir schreiben, wie es scheint noch keineswegs hergestellten Einigkeit der Fürsten.
Die Rollen waren diesmal seltsam vertauscht. Man hätte im Voraus erwarten sollen, die schärferen Streiche gegen das östreichische Project würden von Seiten der bundcsstaatlichen Fraction innerhalb der Nationalpartci geführt werden, während bei der Abneigung der süddeutschen demokratischen Kreise gegen den preußisch-deutschen Bundcsstaat eher eine Geneigtheit znm Transigircn vorhanden sein werde. In der That waren mehre süddeutsche Abgeordnete, als sie nach Frankfurt gingen, entschlossen, diesmal einen entscheidenden Feldzug gegen die „preußische Spitze", d. h. gegen den preußisch-deutschen Bundcsstaat zu thun. Die Lage Preußens schien ihnen günstig genug, eine Erklärung herbeizuführen, welche, wie sie glaubten, der Fortschrittspartei einen ausgedehnteren Wirkungskreis in Süddcutschland in Aussicht stellte. Man hatte sich in, diesem Lager längst mit dem Gedanken eines Dircctoriums vertraut gemacht. Man gab dieser Form an sich den Vorzug vor einer einheitlichen Execution, die doch nur in Preußens Hand liegen konnte, und es lag somit der Gedanke nahe, daß gerade von hier aus eine Annäherung an das östreichische Programm erfolgen werde.
Allein es stellte sich doch in Frankfurt die Sache wesentlich anders. Nicht zum wenigsten den norddeutschen Rednern war die mildere Fassung der Resolutionen zuzuschreiben, während die unbedingte Ablehnung von der demokratischen Seite, der sich die Mehrzahl der süddeutschen anschloß, verfochten wurde. Bei jenen scheint außer dem Entschluß, bis an die Grenze der Selbstvcrläugnung zu gehen, die Opposition gegen das Ministerium Bismmck, mit dessen Haltung man nichts gemein haben wollte, von Einfluß gewesen zu sein, wie auf der andern Seite unstreitig die Parlamentsfrage überwog. Die letztere, die sich wieder in die beiden Untcrfragen theilte, daß einmal die herzustellende Volksvertretung ein wirkliches Parlament sein müsse, und dann, daß das ganze Reformwerk nicht ohne Mitwirkung einer Nationalversammlung zu Stande kommen könne, bildete indessen zugleich den Einigungspunkt beider Fractioncn. Die Debatte zeigte deutlich, daß im Grund eine ernstliche Meinungsverschiedenheit nicht vorhanden war, die schließliche Einstimmigkeit war kein bloßes Manöver; und so ist es auch überflüssig, darüber zu streiten, ob die vom Abgeordnetcntag geübte Kritik mehr eine Annahme oder eine Ablehnung bedeutete. Die Bedingungcn, dic an dic Annahme geknüpft wurden, kommen der Ablehnung gleich.
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