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Zwei Hohenstaufen-Dramen.
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Zwei Hohenstmlfen-Dramen.

Kaiser Friedrich der Zweite von Hohcnstaufen. Ein Trauerspiel von I. Heinrich

von Wessenberg. 2. Aufl. Freiburg 1863. Friedrich der Zweite von Hohenstausen. Historische Tragödie von I. G. Fischer

Stuttgart 1863.

Der dramatische Dichter ist heutzutage übel daran. Man verlangt von ihm nationale Dramen; er soll die Geschichte, vor Allem die Geschichte des eigenen Volks durchsuchen und aus diesem Holze Gestalten schnitzen, um sie der Gegenwart zur Nachcifcrung oder Warnung, mindestens zur Belebung patriotischen Sinnes entgegenzuhalten. Ist seine Absicht eine rein künstlerische, ist er bemüht, das Walten des Schicksals nur im Rahmen eines Seelen­gemäldes, eines persönlichen Conflicts zu zeigen, so wird ihm, auch wenn sein Stück von dieser Seite unangreifbar wäre, Kälte und Teilnahmlosigkeit, Mangel an Verständniß der Zeit und der heutigen Ausgabe der Literatur vor­geworfen werden. Greift er aber nach einem modernen Stoff, d. h. nach einem Stoff, dessen Pathos zugleich das Pathos unserer Zeit ist, so wird er dem Tadel schwer entgehen, daß er ein Tendcnzstück geschrieben habe, daß so­mit wieder in anderer Weise die Aufgabe der Kunst, die Erhebung mensch­lichen Kampfes in eine höhere ideale Sphäre, verlegt sei. Was soll er thun? Wie soll er die eine Klippe vermeiden, ohne an der andern aufzustoßcn?

Die Kritik hat die Antwort leicht bei der Hand. Sie wird ein nach den eigensten Gesetzen der Kunst aufgebautes Stück verlangen, aber damit die For­derung verbinden, daß der Conflict, der die tragische Entwickelung herbeiführt, wiederklinge in der Brust des modernen Hörers, daß die Kämpfe, die das Drama erfüllen, ihr Echo finden in den idealen Bestrebungen der Gegenwart. Die Forderung ist leicht ausgesprochen, sie scheint selbstverständlich, die ganze Entwicklung der modernen Kunst, wie unsers Nationallebens leitet auf sie hin, und dennoch zeigt die Erfahrung, daß damit die schwierigste, bis jetzt uner­reichte Forderung ausgesprochen ist. Die moderne Tendenz um das kürzeste Wort zu wählen ist entweder der Handlung äußerlich aufgedrückt oder ein­gefügt, tritt wohl gar nur, was das Widerwärtigste ist, in einzelnen Scenen

Grenzboten III. 1863. 46