315
Die Fürstenwoche in Frankfurt.
Zu den zahlreichen Volksfesten dieses Jahres, denen die deutsche Einheitsidee zu Grunde lag, ist jetzt auch ein glänzendes Fest der Fürsten gekommen; ebenfalls in großem Stil mit Auffahrten statt der Aufzüge, mit Galladiners statt der Festessen, aber ebenfalls mit deutschen Toasten und ebenfalls mit ernstgemeinten Verhandlungen über Einheit des Vaterlandes, Ehre und Glück der Zukunft. Diese Zukunft wird entscheiden, welches Festgepränge in der That die relativ größere politische Bedeutung hatte, das patriotische Schützenfest im' jauchzenden Frankfurt von 1862. oder der patriotische Fürstencongreß im jauchzenden Frankfurt von 1863.
Wir unterschätzen die Bedeutung dieses Congresses keineswegs. Er ist ein großes Merkmal der Erfolge, welche die Volksbewegung über den Egoismus der Cabinete davon getragen hat; er ist ein glänzendes Zeugniß dafür, daß unsre Fürsten die Nothwendigkeit erkannt haben, solche Bestrebungen zu fördern, welche der Mehrzahl noch vor wenigen Jahren für sehr ruchlos galten. Wir begreifen endlich sehr wohl die Gefahr dieser Tage, daß durch sie die Politik und die Sympathien deutscher Regierungen für einige Jahre eine östreichische Färbung erhalten werden, und wir erkennen mit großer Sorge, daß derselbe Kongreß für die realen Interessen der Deutschen, für eine liberale Fortbildung des Zollvereins und für die Bildung eines kräftig zusammengezogenen Bundesstaats sehr nachtheilig werden kann, und das, was ein Symptom der steigenden Volkskraft ist, auch der Beginn einer unheilvollen Verbildung deutscher Kraft werden kann.
Wir wissen also recht gut, daß diese große Staatsaction für unsre Zukunft nicht gleichgültig sein mag; aber wir wissen auch, daß ein Congreß der Fürsten der Nation ebensowenig den Staat zu geben vermag, wie der vorjährige Schützentag von Frankfurt ein Bürgerbeer zu schaffen vermochte. Diese Auffassung wird bestärkt durch die authentischen Berichte über die kaiserlichen Propositionen, welche in diesen Tagen durch die Presse verbreitet sind. Das Bestreben, die neue Reform der alten Bundesorganisation so viel als möglich anzupassen, und die Furcht, der deutschen Demokratie zu viel einzuräumen, hat ein Project veranlaßt, welches den Forderungen des deutschen Liberalismus in keiner Weise Genüge thut. Denn während es einige von den Hemmnissen wegräumt, welche die Thätigkeit der deutschen Bundesversammlung durch so viele Jahre fast illusorisch machten, und während es in Wahrheit einige höchst
40*