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Kurhessische Briefe.
1. 19. Nov.
Herr von Bismar? hofft, in seiner jüngsten Note die kurhessische Verfassung künftig als eine innere Angelegenheit betrachten zu können und von derselben nichts mehr zu hören. Vielleicht hegt mancher miserer Leser denselben Wunsch. Aber das Schicksal ist zuweilen unerbittlich. Wir fürchten sehr, auch Herr von Bismark wird von Kurhessen noch zu hören bekommen, oder wenigstens sein Nachfolger.
Hassenpflug freilich ruht im Grabe; aber die übrigen inländischen Faiscurs find noch obenauf. Von den auswärtigen dominirt Herr von der Pfordten in der Eschenheimergasse, Graf Nechbcrg sitzt in der Wiener Staatskanzlci, und Herr Uhden in Berlin speist vertraulich am Hofe. Kann es da Wunder nehmen, wenn die Dinge in Kassel nicht vorwärts gehen? Der Bundestag hat freilich unsere Verfassung wiederhergestellt, und eine landesherrliche Verkündigung vom 21. Juni I8ö2 setzte dieselbe auch in Wirksamkeit. Aber zu einer wirklichen Lebensthätigkeit ist die Verfassung bis jetzt nicht gelangt.
Am 24. Mai wurde in Frankfurt der entscheidende Beschluß gefaßt. Zunächst zögerte die ossicielle Kasseler Zeitung mit der Bekanntmachung; dann zögerten die Minister mit ihrer Entlassung. Als diese endlich auf Commando eingereicht war. fanden weitläufige Verhandlungen und Unterhandlungen über die Bildung eines neuen Cabinets statt. Man sagt, es seien Scheinverhandlungen gewesen. Da plötzlich, am 21. Juui Nachmittags., wurde die getreue Residenzstadt Kassel durch die Nachricht ailarmirt'. „Ein neues Ministerium ist gebildet. Herr von Dehn-Nvthfelser und Herr v. Sticrnberg stehen an der Spitze. Der Kurfürst Höchstselbst hat soeben dem Generallieutenant von Haynau in dessen Privatwohnung den gelungenen Coup verkündigt: Haynau und der östreichische Gesandte sind die Seele der Intrigue ?c." In den Mienen aller Patrioten — und die Stadt Kassel besteht nur aus Patrioten — war ein wunderliches Gemisch von Zorn und Hohnlachen zu lesen. „Also Herr v. Dehn soll unsre Verfassung wieder herstellen; der würdige Schwager Aböes, derun- beugsame Landtagscommissar, der Mann, welcher in alle Intriguen des Ver-
l«re»zl>oten IV. 1862. 10