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Generall Wilhelm von Willisen : nach Auszügen aus den Tagebüchern desselben. 2.
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Ungerecht, leidenschaftlich, fanatisch, wollten sie meist den Polen nichts gönnen, als die alte Knechtschaft*)."

Wäre der commcmdircnde General nur mit gutem Willen aus die Con­vention von Jaroslawiec eingegangen, hätte er Offiziere abgeschickt, den Befehl über die sogenannten Cadres zu übernehmen, hätte'er seine Truppen ruhig ste­hen lassen, wie sie standen, und wie ich es wiederholt dringend verlangte, so hätte sich die Sache in wenigen Tagen von selbst verlaufen, schon weil sie aus Mangel an allen Mitteln zerschmolzen wäre. Die alten Offiziere der Emigra­tion waren bereits fort, die andern Fremden konnte man wegweisen, die Inländer wären zufrieden gewesen, unbestraft heimgehen zu dürfen. Auch hatte General Colomb, als ich ihm die Convention anzeigte, nichts dagegen einzuwenden; im Gegentheil, er schien sehr zufrieden damit und sagte, zu Oberst v. Brandt gewendet: Na, alter Freund, das (d. h. den Befehl über die Cadres) werdet Ihr denn wohl übernehmen. Hätte er widersprochen, so hätte ich von ihm Bestätigung der Convention verlangt und wäre im Weigerungsfall zurückgetreten. Weil er nicht widersprach, kam ich nicht einmal auf den Gedanken, sie ihn be­stätigen zu lassen. Erst als er andern Tags nach Posen zurückgekommen und die demokratischen Volksversammlungen ihm ihre Aufregung über die Conven­tion beigebracht, erschien er plötzlich im Negierungscollegium. welches ich soeben von der Zweckmäßigkeit der Maßregel überzeugt hatte, um zu erklären, daß er nicht nur die Uebereinkunft nicht gutheißen tonne, sondern mich auch, da die Deutschen und die Polen in der Stadt meinetwegen an einander zu gerathen drohten, ersuchen müsse. Posen zu verlassen. Als ich dagegen protcstirte und erklärte, er habe die Pflicht, mich gegen die Verblendung der Juden und Demo­kraten zu schützen, hatte ich das ganze Kollegium auf meiner Seite, und dasselbe war der Fall, als ich bemerkte, der General habe gar nicht die Be- fugniß. eine Convention, die ich als königlicher Commissär geschlossen, für nicht bindend zu erklären. Sie müsse gehalten werden. Die Verantwortlichkeit über­nähme ich. Nach einiger Zeit erklärte er sich bereit, auf meinen Vorschlag ein-

") Wenn wir hier und im Folgendcnden Verfasser des Tagebuchs seine Ansichten über Polen oussprechcn lassen, so bedarf es für die Leser d. Bl. nicht erst der Versicherung, daß wir die­selben nicht theilen. vielmehr entschieden entgegengesetzter Meinung sind. Vgl. Grenzboten Jahrgang 1861. Heft 42, d. Art.Polen und die Deutschen" und Jahrgang 1362. Heft 5, d. Art.Ein Deutscher in Posen". Bereitwillig glauben wir, daß ein guter Theil der Schuld an den damaligen Vorgängen auf Rechnung der Unschlüssigkcit und Verworrenheit zu setzen ist, die an entscheidender Stelle in Berlin herrschte, und gern erkennen wir an, daß Willisen in damaliger unklarer Zeit, wo Berlin die befreiten polnischen Rebellen jubelnd auf seinen Schultern getragen, im Sinne Vieler handelte, als er sich in Posen nachgiebig zeigte. Die deutsche Bevölkerung in Posen aber trifft kein Vorwurf. Sie hat im Gegentheil mehr rasche Einsicht in das. was Preußcu frommte, und mehr Patriotismus bewiesen als die Her­ren in Berlin die Herren im Schlosse, wie die Herren auf der Straße. D. Red.