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Die Wahlbewegung in Preußen.
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Die Wahlbtweipmsi in Prenhen.

Dic Vorbereitungen zu den preußischen Wahlen nehmen in immer höhcrem Maßc die Aufmerksamkeit der Deutschen und des Auslandes in Anspruch. Die mannhafte Haltung der Wähler bewahrt sich fast überall in dcn Vorvcrsammlnngcn und in der Presse, zahlreiche Proteste gegen die Wahlvcrfügungeu der neuen Mini­ster werden eifrig nachgedruckt und gelesen; auch die Kaufleute und Fabrikanten bringen in großer Zahl die Rücksicht auf ihre persönlichen Interessen ihrem politischen Pflicht­gefühl zum Opfer. Land und Volk machcn in dicscr Bewegung den Eindruck einer frischcn zusammengefaßten Kraft, welche gegenüber dem nnsichcrn Schwanken der Negierung schon setzt unzweifelhaft macht, auf wclcher Seite der endliche Sieg sein wird.

ES ist möglich, daß einige der ncncn Minister unter andern Verhältnissen wohl geeignet zur Uebernahme der Regierung gewesen wären. Diesmal aber sind dic Verhältnisse nicht so angethan, daß ihnen cinc nützliche und ehrenvolle Thätigkeit prophezeit werden kann, und sie sind nach mcnschlichcin Erkcnncn nur dazu in ihre Aemter gctrctcn, um widerwillig einen großen Erfolg des Liberalismus in Preußen beschleunigen zu helfen. Wer unbefangen dic Zustände dicscs großen deutschen Staats betrachtet, der kann, wclcher Partei er persönlich angehöre, sich nicht ver­bergen, daß cinc Restriktion dcr bereits formulirten Forderungen des Volkes zur Zeit weder weise, noch rathsam, noch sogar möglich ist. Wahrscheinlich wird in irgend eincr Zukunft eine Pcriode kommen, wo dic conscrvativc Partei im Staate ein besseres Recht erhält, wo ihre Intelligenz größer, ihre Zielpunkte' verständiger, ihre Politik nützlicher für das Gedeihen des Staates ist. Diese Zeit mag dann eintreten, wenn dic Konservativen im Kampfe mit ihren Gegnern so viel gelernt und von den fortbildendem Ideen sich angeeignet haben werden, daß der bessere Theil dcr nationalen Kraft ihnen zufallen kann, und wo die Liberalen, verwöhnt durch Er­folge, übermüthig durch ihrc Siege, geschwächt durch innere Parteiungcn, im In- und Auslande die herzliche Bcistinunung dcr Gcmüthcr verloren haben. Aber es kann noch langt daucrn, bis es so wcit kommt, und man kann voraussagcn, daß die älteren konservativen Parteiführer einen solchen Umschlag niemals durch ihre Tüchtigkeit durchsetzen, vielleicht nicht crlcbcn werden. Denn die Kräfte, mit welchen sie in den parlamentarische'» Kcimpfcn, zu Fcld ziehen, sind im Ganzen betrach­te! ohne Vergleich schwächer, als die ihrer Gegner. Ihre Bildung, ihre Interessen, ihre Gesichtskreise sind enge begrenzt, ihr Verständniß für die höchsten Ausgaben des Staats ist geringer. Ja zwischen der Masse ihrer Partei und den Liberalen bcstcht ein tieferer Gegensatz: die Conservcitiven in Prcußcn sind gegenwärtig unfähig, irgend eine Regierung zu stützen, weil es ihnen überhaupt an politischen Ideen fehlt, und weil sie zur Zeit noch nichts sind, als eine großc und einflußreiche Cotcric, deren letztes Bestreben ist, gegen einige nothwendige Bedürfnisse der Gegen­wart zu reagiren, und zwar nur, seit diese neuen Bedürfnisse ihnen ungcmüthlich find,

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