101
dann in Karlsruhe und Weimar nicht ohne Mühe gebildet, auch Wien sucht sich in selbständiger Thätigkeit hervorzuthun. Ob die Neueren zum Vortheile der Kunst von einander lernen können, so lange die zu Lehrern berufenen Meister nicht selber bei den großen Vorbildern eine gründliche Schule durchgemacht haben, steht dahin. ^ Einzelne, die wohl fühlen, wo es der deutschen Kunst fehlt, haben in französischen Schulen sich zu erwerben gesucht, was die deutschen ihnen nicht geben konnten; aber nur zu oft haben sie dort nichtö gewonnen, als eine gewisse Fertigkeit der BeHandlungsweise, welche durch die glänzende frappante Wahrheit der äußeren Erscheinung das Auge bestechen will.
Nur halb vorbereitet, halb geübt, halb gebildet ging die deutsche Kunst an die größten und schwersten Aufgaben. Alle Stoffe der verflossenen Zeitalter macht sie zu den ihrigen, alle früheren Anschauungsweisen will sie als die höhere Einheit in sich vereinigen, endlich noch hat sie es übernommen, den schweren Inhalt des Jahrhunderts, der die ganze vergangene Bildung in sich hereingezogen hat, zu verkörpern. So großer Zwecke voll, hat sie ein wesent' liches Element oft zu gering geachtet: die Kunst als vollendete Erscheinung, als sichtbare Darstellung des Lebens. So kommt es, daß sie einerseits auf ihren Reichthum und ihre Selbständigkeit pochend, mit unzulänglichen Formen und Gestalten harmlos sich begnügt, daß sie andrerseits in unzufriedenem Drang an fremde Kunstweisen sich anschließt und diese aus deutschen Boden zu verpflanzen sucht. Der Jünger aber steht rathlvs und weiß nicht, wohin er sich wenden soll. —
Zeichen und Wunder ans Böhmen.
Die selige Electa.
Im Jahre 1656 kam eine fromme Nonne des strengen Ordms vom Berge Kcmnel aus Gratz in das Kloster der Karmeliterinnen bei St. Josepb in Prag, sie nannte sich Maria Electa a Jesu. Ihr eigentlicher Name war Katharina dc Tramozzvli. ihr Geburtsort Terni. das Geburtsjahr 1605. Sie stammte von angcsehenen Eltern und hatte eine sorgfältige Erziehung genossen. Maria Electa ward Oberin im Prager Josephskloster, wo sie am 11. Januar 1663 im Geruch der Heiligkeit starbt Die Nonnen begruben sie in der Klosterkirche.