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nach zwölfstündigcm Marsch durch eine schatten- und wasserlose Sandwüste nach Ayn, wo eine reiche Quelle ein grünes anmuthiges Thal bewässert. Am dritten Tag steigt man, von Ayn in derselben Richtung fortziehend, auf einer für Kamcele gangbaren Straße ein enges, von Kuhheerde» belebtes Thal hinaus, das zum Gebiet des mohammedanischen Stammes der Habab Ati Mariam gehört. Von hier wendet sich der Reisende am vierten Tage westwärts und betritt eine schöne quellenreiche Tiefebene, in welcher die Jagd crgibig ist und schon Elephanten, aber auch Löwen anzutreffen sind, und die mit einem hohen Bergsattel endigt, der die Ati-Mariam von den Bogos, die Moslemin von den Christen trennt. Hat die Kara ane diesen Berg überschritten, so wendet sich der Weg immer entschiedener nach Westen, und man kommt am Abend des fünften Tages zu der ersten Ortschaft des Bogoslandes, dem Dorfe Wasentet, von wo man am nächsten Morgen durch das Thai Anscba in die große Ebene geht!, in welcher Keren, der Wohnort Munzingers und das wahrscheinliche Hauptquartier der coburger Elephanten- und Nashornjäger liegt.
Das Land der Bogos ist, wie schon das Gesagte zeigt, ein Gebirgslcmd, und zwar gehört es dem System des Hochlandes von Habcsch an, dessen Nvrd- zug hier endigt. Einzelne Partien, z. B. der Gebirgsstock Debre Sin«, erinnern an die Alpen. Doch liegen die Dörfer nur im Tiefland, zwischen 1000 und 6000 Fuß über dem Meeresspiegel. An Quellen und Bächen fehlt es an den meisten Stellen, doch entspringen hier mehre große Flüsse, wie der Ainsaba, der Barka und der Mareb, der in der Niederung den Namen Gasch führt und sich, in der Regenzeit als gewaltiger Strom, nicht, wie bis auf Munzinger angenommen war, in den Atbara und mit diesem in den Nil, sondern, nicht fern von Suakin, in' das Rothe Meer ergießt. Von Keren gelangt man in etwa vierzehn Tagen nach Chartum, und so ist jener Ort Durchgangspunkt und Halt- platz des ziemlich lebhaften Verkehrs zwischen Massua und der Hauptstadt des ägyptischen Sudan, dem Rothen Meer und dem obern Niithal. Ueber die Art des Bogoslandes äußert sich Munzinger außerordentlich günstig. „Alle diejenigen, welche dieses Volk besucht uud seine schönen Thäler durchwandert haben, bringen denselben Eindruck eines gelobten Landes in den Sand Massua's zurück. Das Klima ist das Italiens, der Boden ausgezeichnet, und man könnte alle Reichthümer der Kolonien dahin verpflanzen."
Trotzdem ist das Land, von steten Verwüstungszügen der Nachbarn heimgesucht, wenig besser als eine Einöde, der Ackerbau vernachlässigt, das Leben der Menschen das von Barbaren.
Die Hauptfrucht des Landes ist das Durra. Weizen und Gerste sind wenig' verbreitet, und von Gemüsen kennt man nur Bohnen und Kohl. Der Mangel an fließendem Wasser hindert den Garten- wie den Feldbau vielfach. Nach Mißernten werden wilde Früchte eingesammelt, deren es mancherlei Arten gibt. Die
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