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Massua und das Bogosland.
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Die Tracht des a-byssinischen Karawanenkaufmanns und seiner Leute be­steht in kurzen engen Beinkleidern und einer um die Hüften gewundenen wei­ßen Schärpe. Darüber trägt er eine ungenähte Toga, Guari genannt, von der er ein Ende über die Schulter wirst. Der Unsicherheit der Straßen halber er­scheint er stets bewaffnet, immer mit dem krummen Schwert, der langspitzigen Lanze und dem runden Büffclhautschild, häufig auch mit Fcuergewehr. Oft muß die Karawane förmliche Schlachten liefern, um sich den Durchgang durch eine Gegend zu bahnen, und jeder Bewohner von Habesch ist Krieger, eine na­türliche Folge der Zustände dieser Länder, die unsern mittelalterlichen in allen Stücken gleichen, ausgenommen in der Stellung der Stände. Allerdings gibt es in Habesch einen Adel, aber derselbe ist vom Kaufmann nicht durch eine so breite Kluft getrennt, wie anderwärts, und der Uebergang von einer socialen Klasse zur andern ist sehr leicht. Bauer, Kaufmann, Soldat, Grund­besitzer, alle sind gleich wohlgeachtet, und selbst den Geringsten kann Glück oder Talent zu hohem Ansehen bringen. D'r verarmte Herr wird Diener, ohne daß es ihn schändete, der reichgewordene Diener tritt als Herr auf. Geburtsstolz findet man deshalb seilen.unter diesem Volk, häusig dagegen Geldstolz, und da das Geld hier etwa zehnmal so viel Werth hat als in Europa, so sieht man Leute mit ein paar hundert Thalern mit einem Dünkel und einer Grandezza einherschreiten, wie sie einer unsrer Millionäre kaum entwickeln wird. Begegnet man einem abyssinischen N6ggad6 (Kaufmann) in Massua, der seine Guari bis zu den Augen emporzieht, was andeuten soll, daß er alle Umstehenden als nie­deren Pöbel betrachtet, so kann man sicher sein, daß er ein Capitalist von min­destens dreihundert Edri (Maric-Theresien-Thalern) ist.

Unsre fürstliche Jagdgesellschaft hat es dem Vernehmen nach vorzüglich auf die Elephanten der Landstriche westlich von Massua abgesehen, und in Bezug hierauf sei bemerkt, daß dieser vierfüßige Elfenbeinlieferant hier in allen Ge­birgsgegenden zu treffen ist. die waldig, nicht zu kalt und nicht zu stark bevölkert sind. Schon vier Tagereisen von Massua wird aus Elephanten gejagt, und unter den Belau von Arkiko sind mehre geschickte Jäger. Bei gehöriger Vor­sicht ist diese Jagd nicht sehr gefährlich, doch sind, wie Munzinger bemerkt, noch wenige von denen, die sich in Massua dieser Beschäftigung widmeten, eines natürlichen Todes gestorben.

Die weitere Reise von Massua zu den Bogos bietet keine großen Beschwer­lichkeiten. Bon der kleinen europäischen Ansiedelung im MokullUfThal durchzieht die Karawane am ersten Tage die Thäler von Weddubo, Desset und Amba und schlägt dann ihr Nachtlager in May Aualid (Quelle der Jungfrauen) auf. Sobald man hierauf die letzten Ausläufer des Gebirgs nach der Küste hin in nordwestlicher Richtung hinter sich gelassen, betritt man die große von Straußen bevölkerte Ebene Schaeb und gelangt, immer dem Fuße des Hochgebirgs folgend,