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sagten nur in andrer Form wiederholt, so beschränken wir uns darauf, aus seiner Darstellung noch einige Personalien und namentlich noch die Charakteristik der andern Hauptpartei in der Umgebung des heiligen Vaters zu entnehmen, die von dem Monsignore zum Unterschied von Antonelli und Genossen, der Partei der Bankiers, die Partei der Priester genannt wird, aber leider so wenig wie jene dazu angethan ist. unsre bisherige Meinung von den römischen Zuständen zn bessern.
An der Spitze der Priesterpartei steht nach Liverani „ein Amphibium", welches vermöge seines geringen Verstandes und der Gunst des Papstes bis- weilen nützt, bisweilen schadet, der Cardinal Patrizi. Andere hervorragende Mitglieder dieser Gesellschaft sind Monsignore Capalti, von dem es uns leid thut, daß unser sachkundiger Berichterstatter keine mildere Bezeichnung mr ihn fand, als die eines Charakrers „von schwärzester Schurkenhaftigkeit". und der Bischof Cardoni, „dessen Gottesfurcht", nach Ansicht Liverani's, „mit dem Profit wächst." Keiner von diesen Prälaten besitzt ungewöhnliche Fähigkeiten, es wäre denn die des Ränkespinncns znm eigne» Vortheil, keiner ist auch nur im Stande, mit Erfolg zu predigen. Dennoch erweist der Papst ihnen Vertrauen und fugt sich ihren Intriguen in den wichtigsten Fragen der Verwaltung.
Wir schweigen von andern unheimlichen Hausgenossen des Vaticans, von dem Zusammenhang zwischen dem päpstlichen Waffenministcr und den Näuberhauptleuten. die im Solde und unser der Fahne der Bourbonen Süd- italicn brandschatzten, von dem Proceß des Marchese Campana und dessen wundersamem. Ausgang, und erwähnen nur kurz den hübschen Vergleich, den- Liverani zwischen den Höflingen der Umgebung Bencoicls des Dreizehnten und den Kämmerlingen in der Hofhaltung Pio Nono's anstellt. Wie der berüchtigte Cardinal Coscia in Antonelli sein Seitcnstück findet, so tritt hier der Ritter Filippani, „zugleich Spediteur und Vorschneider", wie ein zweiter Bischi auf, während die vieldeutige Persönlichkeit des Signore Balodelli. ein „Gemisch von Ingenieur. Beamten und Hofschranzen," und der „phantastische, faselnde" Stell« an andere Charaktere des päpstlichen Hofes im dritten De- cennium des vorigen Jahrhunderts erinnern. „Alle miteinander", sagt Liverani am Schluß seines Vergleichs bitter, „wiegen nicht eine Drachme, und dennoch üben sie unablässig einen übermächtigen Einfluß auf das Gemüth des Papstes, der gleichwohl vor keinem unter ihnen Achtung empfindet."
Fürwahr, ein wenig anmuthiges Bild, dieses Gemälde des Papstthums in der Gegenwart! Wenn der französische Bischof, der vor Kurzem Victor Emanucl mit Herodes. Kaiser Napoleon mit Pilatus und Pio Nono mit dem zum Kreuz geführten Christus zu vergleichen die Kühnheit besaß. Recht hätte, so könnte man sich versucht fühlen, sein Gleichniß durch Vorführung auch der