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Die Preußen imd Kaiser Napoleon
Sorgenvoll heftet sich der Blick des Deutschen und Preußen auf die Wolken, welche finster um das aufgehende Licht des neuen Jahres lagern. Vieles Bittre und Schmerzliche haben die letzten Wochen gebracht, den Verlust der Amazone, den nicht zu verdeckenden Gegensatz, in welchen die Krone von Preußen zu dem erwachenden politischen Leben eines treuen und loyalen Volkes getreten ist, zuletzt den Tod des Fürsten, welcher wie kein anderer geeignet war. den Plänen Frankreichs mit vorsichtiger Ruhe entgegenzutreten.
Dem Kaiser Napoleon war das letzte Jahr eine Zeit des besorgten Schwan- kens und Abwägens. Seine Stellung zur italienischen Frage, sein Verhältniß zu England, die Beziehungen zu Preußen schwebten unklar in mehrfachem Wechsel; dazu kam, was ihn stärker als die auswärtige Politik beschäftigte, eine Mißernte in Frankreich, und durch den amerikanischen Conflict ernste Verlegenheiten der Industrie und des Handels.
Nach längerem Experimentiren hat er sich in die Politik zurückgefunden, welche ihm der Zug seines ganzen Lebens vorzuschreiben scheint. Die Wunden Italiens offen halten, die Freundschaft mit England bis zu der Stunde conserviren, in welcher er unzweifelhaft der Stärkere ist; die unfertigen Zustände Deutschlands ohne Parteinahme lauernd beobachten, den Geldsorgen Frankreichs und einer möglichen Geschäftskrisis dadurch zuvorkommen, daß er große Finanzreformen in Aussicht stellte, bei denen der gute Schein ihm nach seiner Art wichtiger war als die Sache selbst; das war das Resultat vielfacher Ueberlegung. und sehr entgegengesetzter Einflüsse seiner Umgebung.
Bis zum letzten Monat durfte der Kaiser ohne besondere Freude auf die politischen Erfolge des Jahres 1861 zurücksehen. Er hatte bis zum Herbst die Italiener nicht gefügig genug gefunden, ihm für eine zweite Hilfe weitere Gebictsvergröszerungen einzuräumen, sein Kampf mit Rom blieb resultatlos, er mußte, nicht als Sieger, mit der Kirche seinen Frieden machen. Es gelang ihm trotz aller Selbstverläugnung nur unvollkommen. Mißtrauen und Abneigung, welche in England gegen ihn aufbäumten, zu beruhigen. Auch sein Versuch, sich Preußen zu nähern, hatte nicht den gehofften Erfolg.
Erst jetzt, im letzten Monat des Jahres, versetzt der drohende Krieg zwi-
Grenzboten I. 1662. 1