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Briefe über einzelne Gegenstände der deutschen Literatur.
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Erlauben Sie. daß ich noch einmal auf das Thema meines vorigen Briefes zurückkomme, die Schleiennachcrschen Briefe. Die preußischen Jahrbücher haben darüber einige Bemerkungen gemacht, aus denen mir hervorzugehen scheint, daß hier noch ein ganz ernsthaftes Mißverständniß zu beseitigen ist. Dies Mißverständniß bezieht sich nicht bloß auf den einzelnen Fall, sondern es betrifft--eine allgemeine Frage, die sich in jeder Periode einer sittlichen Krisis hervordrangt: nämlich das Verhältniß des sittlichen, zum ästhetischen Gesichtspunkt. - .
Bekanntlich hat die romantische Schule in ihrer Blüthezeit gerade von dieser Seite her Anstoß gegeben. Sie waren als streitfertige Kritiker den anerkannten Größen der Literatur gegenüber getreten und hatten ziemlich hart über sie geurtheilt; um sich zu rächen, suchten die Gegner alles Mögliche hervor, was sie in den Augen des Publicums brandmarken konnte. Durch Romane, wie „Lucinde," machten ihnen die Nomantiker leichtes Spiel, aber um die damaligen Verhältnisse richtig zu würdigen, muß man sich vergegenwärtigen, daß zu den Moralisten, welche gegen die Unsitte der neuen Schule predigten, auch Kohebue gehörte, der Dichter von „Menschenhaß und Reue", und daß daher die Schlegel, wenn sie jene Vorwürfe mit Zinsen wiedergaben, im vollsten Recht waren. Die Schlegel trugen das Bewußtsein in sich, weder in ihrem Leben, noch in ihren Schriften unsittlich zu sein, sondern ein neues, höheres Princip der Sittlichkeil entdeckt zu haben, welches geeignet sei, wenn nicht die ganze Menschheit, doch wenigstens den edleren Theil derselben tugendhaft und glücklich zu machen. Ob sie mit diesem Glauben Recht hatten, das ist einzig und allein die Frage, auf die es heute ankommt, und nicht etwa, ob Friedrich Schlegel oder Tieck oder sonst Einer einmal ein Glas zu viel getrunken, oder ein Madchen zu viel geküßt habe, Dinge, die vollkommen gleichgültig sind.
In dieser Beziehung ist es aber wirklich nöthig, auch den Besseren gegenüber, was man zu sagen hat, nicht einmal, sondern zehnmal zu sagen, um nur verstanden zu werden.
So lange die Welt steht, ist es noch keinem Menschen, der seine fünf Sinne hatte, eingefallen, einem Andern deshalb die Sittlichkeit abzusprechen, weil er Leidenschaften durchgemacht hat, im Gegentheil fehlt demjenigen et-