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Zur Charakteristik Japan`s.
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Zur Charakteristik Japans.

Shangai. 18. Febr. Ich bin der Meinung daß es ohne praktische Sprach- kenntnisie unmöglich ist, über ein fernes Land ein größeres Werk mit dem Ansprüche auf Glaubwürdigkeit zu schreiben. Ueber Japan find da der bis jetzt auch nur 2 Werke erschienen, die ich als berechtigt anerkenne. Kämpfer vor 200 Jahren und Thunberg vor 100 Jahren waren durch mehrjährigen Aufenthalt und durch Reisen quer durch das ganze Laud in jeder Beziehung dazu befähigt. Was >n der Fluth von Werken, die seit 10 Jahren über Japan erschienen sind, glaubwürdig und wcrthvoll ist, ist einfach aus Kämpfer und Thnnberg abge­schrieben; alle diese Werke sind in dem Grade werthvoll, als sie viel abge­schrieben haben, und es wäre vielleicht noch heute dus Beste und Redlichste, was man thun könnte, einen einfachen neuen Abdruck Kämpfers zu ver­anstalten.

Ein fast fünfmonatlicher Aufenthalt in Japan hat mich nicht so weit ge­fordert, daß ich die von jenen Schriftstellern angeführten Thatsachen bestätigen, modificiren oder verwerfen könnte. Ich habe mich daher darauf beschränkt, aus Thatsachen, die wirklich unzweifelhaft, und aus Verhältnissen, die mir glaubwürdig erschienen sind, Abstractionen zu bilden, die ich in den nachfolgen­den Blättern fixirt habe. Anders muß sich im Kopfe eines beobachtenden Reisenden ein und dieselbe Welt heute abspiegeln als vor 200 Jahre». Hie­rin liegt meine Berechtigung, und weiter geht meiu Anspruch nicht.

Der Charakter des Landes ist eigenthümlich, und es ist schwer, ihn zu bestimmen. Keines der tausend und abertausend Landschaftsbildci , welche un­sere Wände zieren, trifft diesen Charakter auch nur annähernd, gleichviel ob sie der Wirklichkeit entnommen oder der Phantasie entsprossen sind. Es ist uicht die großartige, überwältigende Schönheit der Alpenwelt, nicht der schroffe, Wg zerklüftete Charakter der norwegischen Gebirge oder der Abruzzen; es ist auch nicht entfernt einer englischen oder schottischen Hügellandschaft ähnlich mit 'hren grünen Wiesen und sanften Abhängen, und es ist nichts darin von dem Romantischen Zauber einer Rheinlandschast. Berg uud Thal wechseln ununter­brochen ab; aber ein Berg sieht aus wie der andere, ein Thal wie das andere; sie liegen unvermittelt nebeneinander; es fehlen die saftig grünen Wiesen, es fehlen die sanften Abhänge, die weidenden Herden, es fehlen die malerisch ge­legenen Dörfer mit schlanken Thürmen, es fehlen die Singvögel in den Bäu- "'en. es fehlt der Duft in den Blumen. Was bleibt, ist immerhin schön ge- "Ug; es dauert daher eine geraume Zeit, ehe man überhaupt bemerkt, daß

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