Beitrag 
Das neue preußische Heer.
Seite
219
Einzelbild herunterladen
 

219

das geringste Maaß zunickzuführen, was eben geschehen könnte, wenn unsere Schulknaben schon exerciren und unsere Jünglinge von 18 Jahren an schießen lernten.

Das Schaffen des dramatischen Dichters.

3.

Die Handlung und ihre Theile.

In der Seele des Dichters gestaltet sich das Drama allmälig aus dem when Stoff, dem Bericht über irgend etwas Geschehenes. Zuerst treten einzelne dramatische Momente: der Conflict zweier Charaktere, Gegensatz eines Helden gegen Lebensbedingungen seiner Umgebung, so lebhaft aus ihrem Zu­sammenhange hervor, daß sie eine selbständige Bedeutung und einen einheit­lichen Inhalt gewinnen. Diese neue Einheil, die Idee des Drama's, wird der Mittelpunkt, an welchen alle freie Erfindung wie in Strahlen anschießt, sie wirkt mit ahnlich bildender Gewalt, wie die geheimnißvolle Kraft der Kry­stallisation, durch sie wird Einheit der Handlung. Konsequenz und Bedeutung der Charaktere, zuletzt der gesammte Bau des Drama's hervorgebracht.

Dieser erste Fund des Dichters, der stille Mittelpunkt seines Bildens. tritt ihm selbst nicht als Gedanke gegenüber, er bat niemals die farblose Klarheit eines abgezogenen Begriffes; denn nicht kühle Reflexion findet die Idee eines Stückes, "sinnt dazu Handlung und Charaktere. Im Gegentheil ist das Eigenthümliche in der ersten Arbeit der Dichterseele, daß die Hauptsache der Handlung, das Wesen der Hauptcharaktere, ja auch die Farbe, zugleich mit der Idee in d.er Seele aufleuchten, zu einer unauflöslichen Einheit verbunden; und daß sie sofort wie nn Lebendes wirken, nach allen Seiten weitere Bildung erzeugend. So ist Möglich, daß dem Dichter selbst die Idee seines Stückes, die er doch sehr sicher in der Seele trägt, niemals während des Schaffens zur Ausbildung in Worten Klangt, und daß er selbst erst später durch Nachdenken seine innere Habe in das geprägte Metall der Rede umsetzt und als Grundgedanken seines Drama's.begreift. Möglich sogar, daß er als Schaffender die Idee richtiger nach den Gesetzen l"ner Kunst empfunden hat, als er sich selbst den Grundgedanken des Werkes einem Satze zusammenfaßt.

28*