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Das neue preußische Heer.
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Das neue preußische Heer.

Sie wünschen zu wissen, welche Fehler ich denn der neuen Organisation des preußischen Heeres hauptsächlich vorwerft, wenn ich sage, daß dergleichen mancherlei begangen worden sind, und ich bin trotz verschiedener erheblicher Bedenken bereit dazu, da ich meine, daß Wichtiges ohne große Schwierig­keiten noch an der Sache zu ändern wäre.

Soll ich die Ausstellungen, welche ich zu machen habe, in einen Haupt­vorwurf zusammenfassen, aus dem alle anderen von selber folgen, so ist es der, daß der Gedanke, welcher dabei der leitende war, ein durchaus reaktio­närer ist, und zwar nicht nur im politischen, sondern auch im militärischen Sinne. Statt nach erlangter Einsicht, daß das Vorhandene nicht mehr aus­reicht, die Abhilfe mit historischem Sinn iu Dingen zu suchcu, die nach vorwärts liegen, hat man sie vielmehr in der Wiederbelebung alter abge- nutzter Zustä-nde>zu finden geglaubt.

Um dies zu erkennen, ist es vor Allem nöthig, sich die Bedürfnisse klar zu machen, welche zu der neuen Organisation geführt haben. Das Bedürfniß, welches vorlag, war das einer Verstärkung der Streitkräfte des Landes. Nun aber liegt eine solche Verstärkung nicht einfach in einer Vermehrung der Menschenzahl, die ich möglicher Weise unter die Waffen bringen kann, so stl)r diese Zahl auch immer bei richtiger Verwendung ein entscheidendes Mo­ment zum Erfolge ist. Sie liegt ferner nicht allein in dieser oder jener ein> »einen Virtuosität der Truppe, in besserem Laufen oder Schießen etwa; denn der Werth dieser Geschicklichkeiteu reducirt sich an den großen Entscheidungs- t"tten, an welchen Hunderttauseude gegen einander auftreten, auf ein ziem­lich gennges Maaß. Sie liegt sodann auch nicht in den Künsten des Exer­cierplatzes oder der Reitbahn, so sehr dieselben bis zu einem gewissen Punkt ihren Werth haben. Sie ist endlich nicht blos in der höheren militärischen Bildung der Führer, also des Offizier- und Unteroffizier-Corps zu suchen, sondern einmal in allen diesen Dingen zusammen, und dann mehr noch "ls in diesen Dingen, die alle mehr oder minder äußerliche sind, in dem Geiste, der das Ganze belebt. Es fragt sich im Wesentlichen, ob dies ein Geist ist, der zu großen Thaten treibt, ein Geist der Ausopferung und der Hingebung, erwachsen auf dem Boden eines idealen Gefühls, einer idealen Anschauung, Glaube. Freiheit. Treue, oder ob es ein Geist ist, der eigentlich keiner ist, ein Geist der mechanischen Gewöhnung, der Gedanken- '"sigkeit, der Abtödtung zur Maschine. Die größte Tugend der Masse ist die > Tapferkeit, der Muth des Angriffs und der Vertheidigung, und dieser wur-

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