191
Die Regensburger Folterkammer.
Auf der Burg zu Nürnberg befindet sich in einem Gemache unfern dc« Eingangs eine Sammlung von Werkzeugen der mittelalterlichen und späteren Justizpflege, Von den Dmimcnfchrauben angefangen bis zum Richtschwert und dem schrecklichen Rade sind alle derartigen Erfordernisse reichlich vertreten und sorgsam erhalten. Das Rathhaus zu Regensburg aber, das von derlei Gegenständen nichts aufweisen kann, besitzt eine noch vollkommen erhaltene Folterkammer mit allen ihren Zuthaten, deren Besuch Manchem von Interesse sein dürfte.
Vordem Eingang zur Folterkammer bemerkt man eine Bank, worauf der Delinquent vor der Tortur noch eine Viertelstunde sitzen durfte, um Zeit zur Ueberlegung zu gewinnen, ob er freiwillig bekennen wolle oder nicht. Die Marterwerkzeuge konnte er durch eine in der Thür angebrachte Oeffnung sich genan besehen. Der Eingang geht dann vier Stufen abwärts. Im Vordergrunde links ist eine Bank, worauf der Wundarzt, welcher die Dauer der Folter nach der Körperkraft des Delinquenten zu bestimmen, auch nöthigen- fnlls chirurgische Hilfe zu leisten halte, dann der Scharfrichter Platz nahmen. Am Platz des Scharfrichters fehlt der Bank die Lehne, weil jener ein unehrlicher Gesell war. Derselbe durste sich erst setzen, nachdem der zu Quälende au das bestimmte Marterwerkzeug festgebunden war; die Handarbeit selbst verrichteten gewöhnlich zwei Henkersknechte. Hinter dem rechts befindlichen Gitter saß der Blutrichter, dessen zwei Lichter mit Schirmen versehen waren, so daß der Gemarterte unmöglich das Antlitz desselben erkennen konnte, eine Vorsichtsmaßregel, die verhüten sollte, daß jener sich räche, wenn er wieder frei -Würde.
Die Untersuchungsrichter behandelten das Foltern als Wissenschaft, ans deren Kunstausdrücke sie sich uicht wenig zu Gute thaten. Fast alle Untersuchungen fingen damit an, daß der Scharsrichter den Gefangenen nach gewissen Artckeln. die er vom Richter empfing, gütlich, befragte, wobei es schon ziemlich unsanft zugiug mit Angreifen. Niederdrücken uud ungebunden auf eine ^iter Ausstrecken. Dann folgte nach einigen Tagen oder Wochen der "größere ^rnst des „peinlichen Bcfragens", des Aufziehens mit angehängten Gewichten U"d gebundenem Körper, was man „ein kleines Züglein sehen lassen" — k'uen „Gesellenzug" — nannte. Es hing lediglich von dem Gefallen des ^clchnchw's ab. ob er der'Züge einen oder ein paar, milder oder gröber, wachen wollte. Das letztere wird leider das Gewöhnliche gewesen sein. Für