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Das Schaffen des dramatischen Dichters.
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Die Charaktere aus der Bühne.
Die poetische Kraft des dramatischen Dichters erweist sich am unmittelbarsten in Erfindung der Charaktere. Beim Aufbau der Handlung, der Einrichtung für die Bühne helfen andere Eigenschaften, eine sichere Bildung, ein männlicher Zug in der eigenen Natur, gute Schule und Erfahrung; wo aber die Fähigkeit, zu charakterisiren, gering ist, wird vielleicht ein bühnengerechtes, nie ein bedeutendes Werk geschaffen werden. Macht dagegen eigenthümliche Erfindung die einzelnen Rollen'interessant, da darf man gute Hoffnung hegen, wenn auch das Zusammenwirken der Gestalten zum Gesammtbilde noch sehr mangelhast ist. Deshalb ist gerade bei diesem Theile des künstlerischen Schaffens durch Regeln weniger zu helfen, als bei jedem andern. Doch soll hier an Einiges erinnert werden.
Jeder Charakter des Dramas soll die Grundzüge seines Wesens so schnell als möglich dem Publicum deutlich und interessant zeigen; auch wo eine Kunstwirkung in verdecktem Spiele einzelner Rollen liegt, muß der Hörer bis zu einem gewissen Grade Vertrauter des Dichters werden. — Je später im Verlauf der Handlung ein neuer Charakterzug zu Tage kommt, desto sorgfältiger muß er schon im Anfange motivirt werden, damit der Zuschauer das überraschende Neue mit dem vollen Behagen genieße, daß es der Anlage des Charakters doch vollständig entspreche. — Der Anfang des Stückes, an welchem die Fähigkeit des Publicums, aufzunehmen, am größten und unbefangensten ist, wird selbstverständlich der Raum, wo die Charaktere sich zu expliciren haben. Auch hier sind kurze Striche Regel, es versteht sich von selbst, daß das charakteristische Detail nicht anekdotenhaft, sondern mit der Handlung verwebt zu Tage kommen muß, ausnahmsweise sind hier kleine Episoden, eine bescheidene Situationsmalerei erlaubt. — Die Scenen des Anfangs, welche das Grundgewebe der Helden darlegen, sollen zugleich die Farbe des Stückes angeben, die Stimmung vorbereiten. Mit ganz ausgezeichneter Kunst verfährt dabei Shakespeare. Er läßt gern seine Helden, bevor sie in die Befangenheit der tragischen Handlung hineingeführt werden, in einer Eröffnungsscene, welche die Grundtöne des ganzen Stücks wie eine Ouvertüre anzeigt, den Zug ihres Wesens noch unbefangen aussprechen. Romeo hat sogar zwei solche Scenen, er zeigt bei dem Parteikampf auf der Straße die vornehme Haltung einer milden Natur, in der darauf folgenden Unterhaltung mit den Freunden den liebesuchenden Träumer. Man vergleiche damit den Feldherrn Macbeth in wilder