Biographisches über Fritz Reuter.
Die letzte Nummer der Grenzboten enthielt eine eingehende Besprechung des niederdeutschen Dichters Fritz Neuter; es wird, so hoffen wir, den Freunden dieses liebenswürdigen Talentes willkommen sein. Näheres über sein Leben und seine Persönlichkeit zu erfahren. Der Redaction ist auf ihr Ansuchen eine kurze biographische Skizze von einem persönlichen Freunde des Dichters zur Benützung mitgetheilt worden, sie wird im Folgenden abgedruckt.
„Fritz Reuter ist am 7. Nov. 1810 in Stavenhagen (Mecklenburg-Schwerin) als ältester Sohn des dortigen Bürgermeisters und Stadtrichters geboren. Sein Vater, von außergewöhnlicher, rastloser Thätigkeit, betrieb außerdem eine nicht unbedeutende und intelligente Landwirthschaft, über welche er in populären Schriften zu berichten pflegte. Er war ein strenger, überaus pflichtgetreuer Mann. Die Mutter war in Folge einer heftigen Krankheit gleich nach der Geburt eines zweiten Sohnes, der bald starb, gelähmt und hat bis zu ihrem Tode im Jahre 1825 den Gebrauch ihrer Glieder nicht wieder erhalten. Desto reger war ihr Geist, und schon früh wußte sie den Sohn für die großen Dichter deutscher Nation zu enthusiasmiren. Hierbei half auch der Pathe. Amtshauptmann Weber, der mit Onkel Herse so ziemlich den einzigen Umgang der Aeltern bildete. Es sind Zustünde des väterlichen Hauses, welche Reuter in der Geschichte „Olle Kamellen" geschildert hat, er selbst hat sich als strebsamen Knaben und kleinen Botenläufer hereingesetzt, in Wirklichkeit aber war er in dem Jahre, in welchem die Erzählung verläuft, noch nicht drei Jahre alt. Der Knabe suchte seine Gefährten im Kreise der Bürgersöhne, er fand sie am liebsten bei den Söhnen des Pächters Nahmacher aus dem hart an der Stadt gelegenen Altbauhofe. Nachdem in dem elterlichen Hause noch zwei, wenig ältere, Vettern aufgenommen waren, wurde bis zum Jahre 1824 der Unterricht für die Knaben durch Hauslehrer beschafft. Von da ab besuchte Reuter mit einem Vetter, der jetzt Pastor in Tessin ist, das Gymnasium zu Friedland in Mecklenburg-Strelitz. das sich damals eines durch Turnen gehobenen rüstigen Jugendlebens erfreute. Geschichte. Geographie, Mathematik und Zeichnen waren die Lehrgegenstünde, die dem Knaben am meisten zu-
Grenzboten I, 1861. 56