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Das neue Königreich Italien.
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Das neue Königreich Ztlilien.

Von der preußischen Grenze.

Bei der Eröffnung des neuen Parlaments in Turin hat der preußische Gesandte gewissermaßen die Ehren der Sitzung gehabt, und der Beifall, den er davon getragen, wird der preußischen Negierung doch nicht ganz unbequem sein. Wir stimmen in diesen Beifall auf das Lebhafteste ein. Das Verhalten Preußens war in diesem Fall so, wie es der Freund des Vaterlandes mir wünschen konnte. Nur einen Wunsch können wir nicht unterdrücken. Um ihre Unparteilichkeit zu wahren, pflegt die preußische Regierung, wenn sie ein Zu- geständniß nach links gemacht, auf ein entsprechendes nach rechts zu sinnen; möchte sie sich doch diesmal dieser ängstlichen Allseitigfeit entschlagen! Graf Perponcher geht nach Rom, wahrscheinlich um dem Souverain in xeu'tious, bei welchem er beglaubigt ist und der gegenwärtig in Rom residirt, seine Hul­digungen darzubringen. An sich ist dagegen nichts einzuwenden; nur hat dieser Souverain. wie wir hören, in den Abruzzcn einige lebhafte Parteigänger, mit denen er vielleicht zu correspvndiren wünscht; Graf Perponcher hat die un­glückliche Neigung, diese Correspondenz zu vermitteln. Die Geschichte mit der Loreley mag nun in Frieden ruhn: sie war sehr ernsthaft, als die preußische Zeitung erklärte, Graf Perponcher habe vollkommen correct gehandelt; der Ernst hat aber aufgehört, sobald der Minister der auswärtigen Angelegenheiten, der es doch besser wissen muß als die preußische Zeitung, das'Ganze als ein Miß' Verständniß bezeichnet, an dem nur die schlechte Telegraphenleitung schuld sei- Aber nun kein zweites Mißverständniß mehr! Das eine genügt vollkommen, und diesmal könnte die Sache bedenklicher werden. Denn der Commandant von Mcssina war doch etwas Anderes als die Frn-Diavolos der Abruzzen, und Gaeta war noch immer ein bequemerer Ort der Correspondenz als Rom. Also einige Aufmerksamkeit auf die Telegraphen, ihr Herrn in Berlin! wenn wir bitten dürfen.

Noch einmal, wir freuen uns, daß die preußische Regierung begriffen hat, die Eröffnung des italienischen Parlaments sei ein welthistorischer Act. Viel' leicht wird die Nachwelt sagen, einer der wichtigsten in der Geschichte.

Wir verkennen die großen Schwierigkeiten nicht, die sich noch immer der Vollendung des unternommenen Werks in den Weg stellen. Noch immer fehlt das Centrum des neuen Baus, so lange Rom in den Händen der Gegner ist, und wie es ihnen entzogen werden soll, ist noch nicht recht zu begreifen. Noch immer lastet der Alp des französischen Schutzes auf Italien; noch immer muß