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Die Minciolinie.
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Die Miliciolulie.

Die bei Springer in Berlin erschienene Broschüreder Besitz Vcnetiens" hat in No. 2 der Grenzbotcn bereits vom politischen Standpunkte ans eine genügende Beleuchtung gefunden. Im Folgenden versuchen wir den Ver­fasser derselben auch in seiner Eigenschaft als Militär und Stratege des Irr­thums zu überführen.

Der Verfasser sagt: Wenn Vcnetien dem neuitalienischen Reiche einverleibt wird, so werden die Franzosen in Venedig eine mächtige Flotte stationiren und ihre Arsenale für dieselbe anlegen; sie werden sich (man merke, die Franzosen) Dalmaticn und Jllyrien einverleiben und militärisch gegen den Orient ope- riren!

Wir überlassen es dem Politiker, den Satz des Verfassers zu widerlegen, daß Italien der ewige Verbündete und dienstbare Vasall Frankreichs sein wird. Bis jetzt ist es aber doch eine unerhörte Voraussetzung, daß eine Macht aus dem Gebiet einer andern, wenn auch noch so kleinen, noch so unterwürfigen, oder strategisch noch wichtigern, ihre dauernden Kriegsdepots und Werkstätten anlegt. Hat jemals Rußland in Kiel oder im Piräus, England in Lissabon, Oestreich in Ancona oder Catania Arsenale gegründet, ja nur den Anflug-eines solchen Gedankens gehabt?

Die maritime Bedeutung Venedigs spielt überhaupt eine hervorragende Rolle in dem Buche. Von Venedig aus soll unter Umständen die französisch- italienische Flotte den östlichen Theil des Mittelmcers beherrschen und England daraus verdrängen. England soll dadurch genöthigt werden, seine Seemacht 5« theilen und sich zu schwächen. Daß der Verfasser hierbei die Bedeutung Korfus. namentlich in seiner nahen Verbindung mit Malta, nicht würdigt, ist Sache der Ansicht. Entschieden fehlerhaft aber ist. daß er vergißt, zu bemer­kn, wie auch Frankreich seine Seemacht theilen muß, wenn es einen bedeu­tenden Theil in den Sack des adriatischen Meeres steckt.

Dabei rechnet die Schrift mit ungeheuren Zahlen. Die nächsten Jahre Gingen uns Flotten von 60 Schraubenlinienschiffen für Frankreich, Von 30 sür Italien, von 30 für Spanien, von 10 für Oestreich, und England wird

Grenzbotcn I. 1SL1, 21