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Militärische Bilder aus dem Kirchenstaat : 3. Die Einnahme von Ancona.
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ich dort in den Kasematten der Citadelle zu. Man hatte uns nach den Na­tionalitäten von einander abgesondert. War unsre Verpflegung vorher schlecht gewesen, so war sie jetzt ganz miserabel. Eine gewisse Gattung kleiner viel- veiniger Thierchen begann zum Ueberfluß die Oberfläche unserer Haut zu kitzeln. Der Festungs-Commandant stellte uns am fünften Tage die Alternative, ent­weder in garibaldische oder piemontesische Dienste zu treten, oder nach unserer Heimath befördert zu werden. Nur wenige nahmen das erstere an. Ich be­nutzte mit Vergnügen die Gelegenheit, denselben Abend mit einem an die östreichische Grenze abgehenden Transporte abzufahren. Nach einer 24stündigen langweiligen Fahrt unter Bedeckung der Nationalgarde langten wir in Pes- chiero an, wo uns die Oestreicher freundlich empfingen.

Nach den Bedingungen der Capitulation schuldet der päpstliche Stuhl jedem Soldaten bei Auflösung der Armee ein Jahrgehalt. Diese Verpflichtung kann also im gegenwärtigen Falle nicht als aufgehoben betrachtet werden, uni so mehr als die Soldaten das Ihrige gethan, ihr Leben für die Sache des Papstthums gewagt haben. Mögen auch die Finanzen der römischen Regierung gegenwärtig stark in Anspruch genommen sein, so erscheint dies als keine Ent­schuldigung, daß diese nicht wenigstens an die in den verschiedenen katholischen Ländern bestehenden Nunziaturen die betreffenden Jnstrnctionen ertheilt, an welche sich die Betheiligten wenden können, wenigstens um eine Gewißheit über die Art und Weise zu erlangen, wie man den gerechten Forderungen genügen wolle. Es waren unter den von den Piemontesen gefangeneu Sol­daten dieser Armee außerdem viele, welche 15, 20, ja selbst mehr Jahre dem heiligen Vater gedient hatten, Leute, welche heute alt und zur Arbeit nicht mehr recht geeignet sind, auch vielleicht nie eine Profession erlernt hatten. Gegen solche Leute ist die römische Regierung um so mehr verpflichtet, die Be­dingungen einzuhalten; sonst müssen jene, von Mitteln zur Rückreise nach Rom entblößt, andern Staaten als Bettler zur Last fallen; wenigstens sind die meisten als Bettler nnd durch Betteln in ihre refpective Heimath gelangt.

M. v. A.

Ans Knrhessen.

Die zweite Kammer der neuen kurhcsfischcn Stände hat am 8. Dec, mit allen gegen 7 Stimmen, nnd zwar gegen 7 Dorfbürgcrmeister, erklärt,daß sie sich nicht als rechtmäßige Landcsvertrctung anzusehen vermöge und deshalb auf Landtagsgeschäste nicht eingehen könne;" sie hat ferner beschlossen,eine Vorstellung nn Sc. Königl. Hoheit den Kurfürsten zu richten, in welcher die Gesinnungen nnd Wünsche des Landes